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Hochstaff:
Ein zu Unrecht vernachlässigtes Wanderziel
Abb. 1
Den meisten Bergwanderern im Osten Österreichs ist die Reisalpe (1.399 m) in den niederösterreichischen Voralpen ein Begriff. Zu Unrecht viel weniger bekannt ist der um rund 100 Meter niedrigere „kleine Bruder“, der Hochstaff (1.305 m, Abb. 1). Wandertechnisch um einiges anspruchsvoller, weist er für viele ein paar Mankos auf, die manche abhalten, diese im Westen felsige Berggestalt zu besteigen: So sind die Steige nicht markiert, es gibt am Gipfel keine Einkehrmöglichkeit (im Gegensatz zur Reisalpe) und drittens verstellt die Reisalpe ein wenig den Alpenblick. Trotzdem empfehlen wir eine Wanderung auf den Hochstaff und wer diesen Tipp befolgt, wird die Gründe dafür auch bald verstehen.

Auch der Ausgangspunkt für diese Tour ist ungewöhnlich. Weder vom Parkplatz auf der Ebenwaldhöhe (ca. 1.020 m) noch vom Ort Kleinzell, sondern vom westlich gelegenen Schindeltal, das man über das Wiesenbachtal erreicht, startet man diese Wanderung. Der Ausgangspunkt liegt etwa 7 km taleinwärts im Wiesenbachtal. Von der Weggabelung Schindeltal/Moritzgraben (ca. 475 m), ab wo für beide Täler ein Fahrverbot gilt, wandert man – zunächst kaum ansteigend – Richtung Osten auf der nun nicht mehr asphaltierten Straße im Schindeltal taleinwärts (Abb. 2). Vorbei an einigen schmucken Häusern und Höfen, dem links abzweigenden Geißgraben und einigen felsigen Berghängen erreicht man nach rund 15–20 Minuten eine Waldkapelle (518 m, Abb. 3). Auf der nun beginnenden Forststraße halblinks haltend geht es nun etwas steiler aufwärts und man erblickt erstmals die bewaldeten Hänge der Reisalpe. Nach rund 45 Minuten vom Ausgangspunkt zweigt rechts eine gelb markierte Forststraße ab, auf der man nun um einiges steiler am rechten Talrand aufsteigt. In einer Rechtskurve zweigt links ein Weg zu einem Wasserfall ab. Man bleibt aber auf der Forststraße und folgt in der nächsten Kurve weiter der gelben Markierung. Erstmals ist nun unser Ziel, der Hochstaff (Abb. 4), zu sehen.

Rund 1,0 Stunde vom Ausgangspunkt endet die Forststraße und geht in einen Steig über (ca. 760 m), der zunächst sehr steil 85 Hm (Höhenmeter) Richtung Süden ansteigt. Dann wendet sich der Steig nach rechts über einen Graben und wieder Richtung Osten. Auf einem etwas steinigen, weiter recht steilen und gut angelegten Steig marschiert man weiter, zuerst durch älteren Baumbestand, dann über eine steil abfallende Lichtung und zuletzt durch einen jüngeren Mischwald in einem weiten Bogen etwa 175 Hm aufwärts und erreicht nach rund 1½–2,0 Stunden vom Ausgangspunkt bei der Kleinzeller Hinteralm die Wegkreuzung am Sattel (1.012 m) zwischen der rechts liegenden Reisalpe und dem Hochstaff, dessen felsiger Gipfelaufbau von hier gut zu sehen ist (Abb. 5).

Hier angekommen, gilt es nun die Entscheidung zu treffen, ob man wirklich den Hochstaff von seiner Südseite besteigt oder doch die etwas höhere, aber leichter zu bezwingende Reisalpe. Wenn man auf der Forststraße etwa 5 Minuten auf einem kaum ansteigenden Weg Richtung Reisalpe wandert, kommt man zur Kleinzeller Hinteralm (ca. 1.030 m), die in den Sommermonaten bewirtschaftet ist.

Wenn man sich für den um etwa 100 m niedrigeren Hochstaff entschieden hat, wandert man rund 50 Meter in Richtung Kernhof. Dort verlässt man die Forststraße und folgt dem links abzweigenden, nicht markierten Steig. Dieser führt parallel zur Forststraße, vorbei an Bäumen, mäßig ansteigend zu einer steilen Wiese. Kaum hat man diese erreicht, wird der Steig um vieles steiler und führt am linken Rand der Wiese – mit einem tollen Blick Richtung Schneeberg und Rax Richtung Süden (Abb. 6) – direkt den Hochstaff hinauf. Am oberen Rand der Wiese gelangt man erneut in bewaldetes Gelände, in diesem dann gleich zu einem Gatter und zu einer neu errichteten Forststraße. Nach deren Querung führt der links abzweigende Steig wieder weniger steil auf eine kleine Alm (ca. 1.100 m). Entlang eines Felsenabbruches geht es die Felsen des Hochstaff (Abb. 7) vor Augen nun in nordöstlicher Richtung über die Almwiese wieder zum Wald, wo man nach Kurzem auf eine aufwärts führende Forststraße trifft, die aber als Privatstraße auch für Wanderer gesperrt ist. Der schmale Steig aber wendet sich nun im Wald wieder bergwärts und führt steil hinauf zu einer Felsgruppe. Kurz bevor man diese erreicht, ist – knapp 100 Hm über der Alm – noch eine steile, steinige Stelle mit Vorsicht zu überwinden. Nun geht es auf gutem Pfad, aber weiter steil, vorbei an den Felsen. Bereits den felsigen Gipfelbereich vor sich, gelangt man auf eine kleine Alm, über die man kurz und fast eben Richtung Osten wandert. Dann wendet sich der Steig nach links und überwindet nochmals – im oberen Bereich etwas steiniger – eine Steilstufe. Nach rund 45–60 Minuten, in denen man von der Abzweigung in der Nähe der Kleinzeller Hinteralm knapp 300 Hm bezwungen hat, hat man es geschafft, man hat das schmale, grasbewachsene Gipfelplateau (Abb. 8) bei einem Vorgipfel, der mit einem Steinmann gekennzeichnet ist, erreicht und hat eine schöne Aussicht auf die umliegende Bergwelt. Beherrscht wird dieses Bild aber natürlich von der benachbarten, etwas höheren Reisalpe. Für den Gesamtaufstieg aus dem Schindeltal (ca. 830 Hm) benötigt man etwa 2¼–2¾ Stunden.

Gleich nach dem Vorgipfel befindet sich in nördlicher Richtung das Gipfelkreuz (Abb. 9) mit einer kleinen Bank zum Ausruhen. Vorsicht nur beim Blick Richtung Ötscher und Westen (Abb. 10), da sich unmittelbar davor ohne Absicherung der felsige Abgrund befindet. Zum Abstieg marschiert man weiter Richtung Norden (Ebenwaldhöhe Abb. 11) – vorbei an noch einem Vorgipfel – zum Waldbeginn. Hier geht es nun sehr steil, steinig und unter Umständen auch etwas rutschig durch halb offenes Terrain abwärts bis zu einer Forststraßen-Querung. Um nichts weniger steil führt der schmale Steig dann weiter im Wald abwärts, bis man nach ca. 30 Minuten vom Gipfel des Hochstaff eine Wiese erreicht, auf der es in nicht mehr als 5–10 Minuten – zuerst nochmals absteigend und dann fast eben – zu einer Forststraße (1.030 m) nahe dem Graser-Hof und dem Parkplatz Ebenwaldhöhe geht. Hier nun macht man fast eine Kehrtwendung und wandert auf der Forststraße auf der anderen Seite des Zaunes in südlicher Richtung in etwa 30 Minuten zurück zum Sattel zwischen Reisalpe und der Südseite des Hochstaff, wobei eine nicht allzu massive Gegensteigung von rund 30 Hm zu überwinden ist. Natürlich könnte man die Hochstaff-Besteigung auch umgekehrt von der Nordseite durchführen, wir raten davon aber ab, da das Finden des richtigen Einstiegs dort ein noch größeres Ausmaß an Orientierungssinn erfordert!

Um zum Ausgangspunkt umzukehren, wandert man nun wieder am Aufstiegsweg in ca. 1¼–1½ Stunden hinunter ins Schindeltal (Abb. 12). Mutige, Ortskundige bzw. Wanderer mit gutem Orientierungssinn können vom Graser-Hof zum Parkplatz Ebenwaldhöhe (1.020 m) und weiter zur Ebenwaldhütte (1.046 m, Abb. 13), die am Wochenende ganzjährig geöffnet hat, wandern. Von dort geht man wieder zurück zum Hof unterhalb der Ebenwaldhütte, dort rechts auf der Straße vorbei am Kiensteiner-Hof und knapp bevor die Straße wieder vom offenen Gelände in den Wald einbiegt, auf breitem Weg geradeaus ca. 5 Minuten hinunter bis zu einer weiteren Weggabelung. Dort steigt man nicht ab in den Graben, sondern man geht weiter – links einen Zaun überwindend – auf einem Steig, bis man nach ca. 30 Minuten eine Forststraße erreicht. Rechts in diese einbiegen und stetig in den Gaißgraben absteigen. Kurz bevor man wieder das Schindeltal erreicht, wird der Graben eng und von Felsen flankiert, was aber auf der Forststraße keinerlei Probleme macht. Im Schindeltal marschiert man dann noch rund 15 Minuten talauswärts bis zum Ausgangspunkt. Für diese Abstiegsvariante benötigt man vom Parkplatz Ebenwaldhöhe rund 1¼–1½ Stunden.
HM/Zeit:
Von der Weggabelung Schindeltal/Moritzgraben durch den Schindelgraben auf den Hochstaff ca. 830 Hm in etwa 2¼–2¾ Stunden (Aufstieg) und ca. 2¼–2½ Stunden (Abstieg); um ca. 25–30 Minuten kürzer, aber steiler und schwierig zu finden ist die Abstiegsvariante durch den Gaißgraben.
Zeitraum:
Mitte März–November (je nach Schneelage)
Anforderungen:
Nicht allzu lange, aber doch anstrengende, technisch einfache Tour, der Auf- und Abstieg am Hochstaff ist teilweise recht steil, steinig und unmarkiert. Für die Abstiegsvariante durch den Gaißgraben ist im teilweise felsigen Gelände guter Orientierungssinn unbedingt notwendig.
Highlights:
Blick vom Hochstaff; das schöne Almgebiet zwischen Ebenwaldhöhe und Kleinzeller Hinteralm
Anfahrt:
Auf der Bundesstraße B 18, die Leobersdorf an der Südautobahn A 2 via Hainfeld mit Traisen an der Kreuzung mit der B 20 (St. Pölten/A 1–Kapfenberg/S 6) verbindet, bis zum Ort Wiesenfeld. Von dort ca. 7 km taleinwärts in das Wiesenbachtal bis zum allgemeinen Fahrverbot bei der Weggabelung Schindeltal/Moritzgraben fahren.
Einkehr:
Kleinzeller Hinteralm und Ebenwaldhütte (jeweils nach kurzem Umweg, Öffnungszeiten beachten!)


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