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Tirolerkogel:
Durch die Falkenschlucht auf einen Aussichtsberg
Abb. 1
Weit weg vom namensgebenden Bundesland wird in den meisten Wanderführern die lange Kammquerung von Süden nach Norden von Annaberg nach Türnitz beschrieben. Eine mehr als interessante Alternative stellt die Besteigung des niederösterreichischen Tirolerkogels von Osten dar, da man beim Aufstieg die romantische Falkenschlucht (Abb. 1) durchwandert. Weiter oben bietet sich dann eine wundervolle Aussicht, die vom Schneeberg bis zum Dachstein reicht.

Um mit dem Auto den Ausgangspunkt, den Parkplatz beim Eisernen Tor (ca. 535 m), rund 3,5 km südlich von Türnitz, zu erreichen, durchfährt man bereits eine felsige Klamm. Zu Fuß geht es dann auf einer Forststraße durch das enge, gewundene Retzbachtal weiter in südliche Richtung. Vorbei an einigen verfallenen Jagdhäusern, an einem kleinen Stausee und auch an der Abzweigung zum Tirolerkogel durch das Dachsental – diese Variante dient uns später als Abstiegsweg – erreicht man auf kaum ansteigendem Weg nach ca. 45–50 Minuten den alten Hubertushof (ca. 615 m, Abb. 2), der sich wenige Meter vor der Abzweigung in die Falkenschlucht befindet. Nach der Durchschreitung einer Felsenge geht es nun auf schmalem, steinigem Steig auf der linken Seite steil aufwärts. Schon bald wird – jetzt nicht mehr so steil – eine zweite Felsenge durchwandert. Nach der Querung des Baches gelangt man weiter aufsteigend zum Kernbereich der Falkenschlucht. Über Stufen geht es hinunter zum dritten, nun aber wesentlich längeren Felsdurchgang, der auf Holzstegen passiert wird (Abb. 3). Wieder steiler aufwärts und zweimal den Bach querend gelangt man nach rund 40–45 Minuten zum oberen Ausgang (ca. 800 m) aus der Falkenschlucht, wo man wieder auf die Forststraße trifft, die die Falkenschlucht auf der rechten Seite „umfahren“ hat.

Nun wieder auf der Forststraße, geht es weiter in Richtung Süden. Eine Abzweigung ignorierend, gelangt man nach rund 20 Minuten zu einer weiteren Abzweigung (915 m), bei der uns ein Wegweiser auf die rechts beginnende Forststraße weist, auf der wir – mit immer schöner werdender Aussicht (Abb. 4) – zunächst in nördliche, dann eine Zeit lang in westliche und dann wieder in nördliche Richtung gemütlich aufsteigen, bis wir nach ca. 50–55 Minuten am unteren Ende einer großen Wiese (1.110 m) den querenden Aufstiegssteig durch das Dachsental erreichen. Wir biegen links in diesen ab und wandern nun über offenes Gelände weiter aufwärts. Nach der folgenden Rechtskurve kann man einen ersten Blick auf den langgezogenen Wiesenkamm (Abb. 5) des Tirolerkogels erhaschen. Der breite Weg wendet sich nach links und man steigt – den bewaldeten Gipfelaufbau des Tirolerkogels vor Augen – in weiterer Folge ein paar Meter in ein talförmiges Gelände ab, um auf der anderen Seite gleich wieder aufzusteigen. Nach Überschreitung eines wackeligen Viehgatters (ca. 1.260 m) wendet sich der Weg nach rechts und steigt nun sehr steil durch leicht schrofiges teilweise lehmiges (Vorsicht bei Nässe beim späteren Abstieg) Waldgelände hinauf zur Gipfelwiese, auf der man das Annaberger Haus (wird derzeit neu gebaut!) und das nahe Gipfelkreuz (1.377 m, Abb. 6) – mit einem prachtvollen Ötscher-Blick (Abb. 7) – erstmals sehen kann. Diese erreicht man vom Ausgangspunkt beim Aufstieg durch die Falkenschlucht nach rund 3,0–3½ Stunden, in denen man rund 850 Hm (Höhenmeter) bewältigt hat.

Von hier heroben hat man einen prächtigen Rundblick: Einerseits sieht man die östlichen Kalkalpen vom Schneeberg bis zum Dachstein weit im Westen (Abb. 8) und andererseits sind die niederösterreichischen Voralpenberge wie der Eisenstein, der Türnitzer Höger und der Muckenkogel bei guter Sicht zum Greifen nahe. Bekannt gut ist auch die Küche des Annaberger Hauses, besonders zu empfehlen sind die hausgemachten Fleischknödel mit Sauerkraut und die Cremeschnitte!

Zum Abstieg wandert man in ca. 35–40 Minuten den steilen Waldpfad und dann über die ausgedehnten Wiesen hinunter zur Wegkreuzung mit der Forststraße. Dabei hat man streckenweise einen wunderbaren Blick zum Schneeberg, zum felsigen Gippel (Abb. 9) und zum Göller.

Nun weiter im Wald abwärts, wobei nach einem eher gemütlichen Teil der steile Abstieg ins Dachsental folgt. Nach der Querung einer Forststraße wird auf der rechten Seite etwas oberhalb der Talsohle eine Lichtung überschritten und nach einer weiteren Forststraßen-Querung wandert man kurz auf breiterem Weg weiter. Doch wird dieser links bald wieder verlassen und es geht mit einer Serpentine wieder hinunter zum Talboden, der sich hier auf einer großen Wiese befindet. Nun weiter auf der rechten Talseite marschieren wir im Wald – immer steiler werdend –abwärts, bis wir wieder auf eine Forststraße treffen. Auf diese zweigt man rechts ab, wandert kurz eben bis zu einem Felsdurchbruch und dann steiler hinunter ins Retzbachtal mit Blick zu den Felswänden des Traisenberges (Abb. 10), das man nach etwa 60 Minuten vom Waldbeginn erreicht. Nun folgt noch die talauswärts führende Rückkehr durch das Retzbachtal zum Parkplatz Eisernes Tor, für die man auf der Forststraße rund 40 Minuten benötigt. Für den gesamten Abstieg vom Tirolerkogel durch das Dachsental sollte man etwa 2,0–2½ Stunden einplanen.

Noch ein Tipp: Diese längere, oft auf Forststraßen und im nicht allzu hohen Gipfelbereich über große Wiesen führende Tour eignet sich ideal für die Vor- und Nachsaison. Vor allem im Herbst, wenn die Wälder ihr zauberhaftes Farbenspiel (Abb. 11) zeigen und die Fernsicht oft hunderte Kilometer reicht, wird diese Wanderung zu einem unvergesslichen Erlebnis!
HM/Zeit:
Vom Parkplatz Eisernes Tor durch die Falkenschlucht auf den Tirolerkogel rund 850 Hm (mit geringen Gegensteigungen) in 3,0–3½ Stunden (Aufstieg) bzw. über das Dachsental in ca. 2,0–2½ Stunden (Abstieg).
Zeitraum:
Ende März–November (je nach Schneelage)
Anforderungen:
Teilweise steile, lange Rundtour, aber im Großen und Ganzen technisch einfache Wanderung, die aber speziell am Aufstiegsweg in der Falkenschlucht und beim Abstieg vom Gipfel auch Trittsicherheit erfordert.
Highlights:
Falkenschlucht; Blick vom Tirolerkogel zu den östlichen Kalkalpen und zu den Voralpen; das Wiesengelände im Gipfelbereich des Tirolerkogels
Anfahrt:
Auf der Bundesstraße B 20 (Verbindung von St. Pölten an der Westautobahn A 1 im Norden über Mariazell nach Kapfenberg an der Schnellstraße S6 im Süden) bis nach Türnitz. Am westlichen Ortsende Richtung Süden zur Falkenschlucht abbiegen und ca. 3,5 km bis zum Parkplatz Eisernes Tor fahren und dort gratis parken.
Einkehr:
Annaberger Haus (wird derzeit neu gebaut!)


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