Wandertipps > Steiermark > Wandertipp

Aflenzer Staritzen:
Auf der Ostseite des Hochschwab-Massivs
Abb. 1
„Das Schöne muss man sich hart erarbeiten“ – dieses Sprichwort oder viele ähnlich lautende gelten auch für Wanderungen auf der Aflenzer Staritzen (Abb. 1), dem östlichen Ausläufer des großflächigen Hochschwab-Massivs in der Obersteiermark. Über die sehr steile Seeleiten geht es beim nachfolgenden Wandertipp relativ flott hinauf auf die ausgedehnten Almflächen, zum Abstieg empfehlen wir den für die Hochschwab-Region eher flachen, aber dafür zeitaufwändigeren Prinzensteig, den sicherlich auch schon der „steirische Prinz“, Erzherzog Johann, genutzt hat.

Ausgangspunkt ist der Seeberg-Pass (1.254 m) an der Bundesstraße B 20, die die Region Kapfenberg/Bruck a. d. Mur im Süden mit Mariazell und St. Pölten im Norden verbindet. Gegenüber vom Weitwanderdenkmal (Abb. 2), bei dem sich zwei wichtige Weitwanderwege kreuzen, beginnt der Weg 855, der zu Beginn Richtung Norden in den Wald führt. Nach dem Queren einer Forststraße führt der Weg nach der Überwindung eines Viehgatters nun steiler über eine Wiese und vorbei an der Bergstation eines Schleppliftes die Seeleiten hinauf. Beim Viehtörl – knapp 25–30 Minuten vom Ausgangspunkt der Tour, in denen man bereits die ersten 150 Hm bewältigt hat – wendet sich unser nun schmaler Steig Richtung Westen und quert die steil nach Seewiesen abfallenden Hänge des Seebergwaldes. Auf diesem etwas mühsamen Wegstück, auf dem zahlreiche Baumwurzeln überwunden werden müssen, sind Trittsicherheit und – an manchen Stellen – auch Schwindelfreiheit auf jeden Fall vonnöten. Nach dem Einmünden eines von Seewiesen aufsteigenden Steiges wendet sich der nun um einiges steiniger werdende Pfad wieder bergwärts und führt zum Teil sehr steil aufwärts. Der Wald geht dabei immer mehr in Latschen über und erlaubt sehr schöne Blicke auf die imposante Felslandschaft der östlichen Hochschwab-Region (Abb. 3). Links vorbei an einem Felsen windet sich unser Steig nun im freien Gelände in vielen Serpentinen sehr steil nach oben und man erreicht bereits nach rund 1½–1¾ Stunden die Hochfläche (ca. 1.720 m) mit ihrer typischen Hochschwab-Charakteristik: Ausgedehnte, etwas steinige Almen, teilweise Latschen und die kegelförmigen Dolinen, die man vorsichtig umgehen sollte.

Wer Lust hat, kann die wenigen Schritte zum Gipfelkreuz der Seeleiten (1.734 m) spazieren und von dort einen direkten Aufstieg zum Staritzen Ostgipfel (1.810 m) unternehmen. Unsere Tour aber setzt sich in westlicher Richtung fort. Mit dem „Karl“ (ca. 1.800 m) ist nochmals ein etwas steileres und steiniges Hindernis zu überwinden. Auf der Anhöhe kann man rechts wieder zum Staritzen Ostgipfel abzweigen (und fast eben zu diesem wandern) oder weiter in Richtung Westen (Abb. 4) über eine breite Wiese gemütlich etwa 50 Hm zu einem Sattel absteigen. Hier zweigt Richtung Norden der Prinzensteig ab, der uns später als Abstiegsweg dienen wird. Wir aber steigen – es wird wieder etwas steiler – auf dem nun schmalen Bergrücken entlang der Abbruchkante der nach Süden fast senkrecht abfallenden Hänge (Vorsicht!) in Richtung Hochschwab etwa 100 Hm auf und passieren auf der linken Seite die höchste Stelle des Mieserkogels (1.855 m), der in manchen Plänen auch als „Staritzen Westgipfel“ bezeichnet wird. Wer den hier noch fernen (ca. 4,0 Stunden Gehzeit) Hochschwab-Gipfel zumindest bewundern will, muss noch etwa 30 Minuten Richtung Westen weiterwandern, wobei der Weg – weiterhin entlang der südlichen Abbruchkante – auf breiten Almböden nun angenehm ansteigend ist. Bereits hier gut zu sehen ist die imposante, von unserer Seite aus rechts liegende, felsige Berggestalt mit Gipfelkreuz des Hochweichsels (Abb. 5), der mit 2.006 m der östlichste 2000er-Gipfel der Hochschwab-Region ist. Schon bald erreicht man auf dem Weiterweg den oberen Endpunkt des Gamssteiges, der für Mutige fast senkrecht mittels vieler Serpentinen von Seewiesen auf die Hochfläche führt. Zusehens verengt sich das Gelände wieder und man erreicht einen Sattel (ca. 1950 m), der die Bezeichnung „Steinernes Hüttl“ trägt. Von hier ist der Hochschwab-Gipfel (Abb. 6) nun erstmals sichtbar. Indem wir nun zum höchsten Punkt (Steinmandl) des Krautgartenkogels (1.988 m) etwa 40 Hm links Richtung Süden aufsteigen, um speziell das Gipfelmassiv des Hochschwabs, aber auch die umliegenden Berge (u. a. Ötscher (Abb. 7), Dürrenstein, Hohe Veitsch) noch besser zu sehen, beenden wir nun unseren Aufstieg. Für die rund 800 Hm (inkl. Gegensteigungen) benötigt man rund 2½–3,0 Stunden.

Zum Abstieg geht es wieder (ca. 30–45 Minuten) in Richtung Osten (Abb. 8) zurück zur Abzweigung des Prinzensteiges und auf diesem durch Latschen zuerst fast eben und in weiterer Folge steiler abwärts. Dabei hat man ständig den mächtigen Ötscher vor sich, aber auch das großflächige Almgebiet der vor uns liegenden Graualm ist schon bald sichtbar. Über Almflächen geht es recht gemütlich weiter hinab zur Mitterbodenhütte (1.502 m, Abb. 9), die man nach rund 30–45 Minuten von der Starnitzen-Hochfläche erreicht und die in den Sommermonaten auch bewirtschaftet ist.

Anschließend ist in zwei kurzen Etappen auf einer Forststraße eine Gegensteigung von rund 50 Hm zu bewältigen. Vorbei an den Hütten der Leitnalm wendet sich der Weg in einer S-Kurve von östlicher in südliche Richtung, wobei sich immer wieder eindrucksvolle Blicke nach Mariazell und in die umliegende Bergwelt ergeben – zuerst vor allem zu den Felswänden der Tonion (Abb. 10) und dann zur Hohen Veitsch (Abb. 11). Man bleibt noch ein längeres Stück auf der nur mäßig absteigenden Forststraße, bevor man auf einem steileren, markierten Waldsteig (Weg Nr. 853) den langen Abstieg immer wieder etwas abkürzen kann. Bei einem Straßenzaun – man befindet sich vorübergehend wieder auf der Forststraße – zweigt links der Steig nach Gollrad ab. Wir aber bleiben auf der Forststraße, bis unser Weg erneut auf einen Steig abzweigt, aber bald wieder zur Forststraße zurückkehrt. Auf dieser steigt man dann parallel zur im Tal verlaufenden Bundesstraße zu einem letzten Highlight der Tour ab, dem Brandhof (1.080 m, Abb. 12), einem kleinen, schmucken Jagdschloss, das Erzherzog Johann viele Jahre als Zufluchtstätte vor dem Wiener Kaiserhof diente. Hier endet nun die lange Rundtour. Für das letzte Wegstück von der Mitterbodenhütte zum Brandhof benötigt man rund 1,0–1¼ Stunden. Um zum Ausgangspunkt der Tour, dem Seeberg-Pass, zurückzukehren, sollte man den öffentlichen Autobus benützen, der für dieses kurze, aber ca. 170 Hm aufwärts führende Straßenstück bloß 5 Minuten (zu Fuß ca. 30 Minuten) benötigt. Da die Busse aber nicht sehr häufig fahren, sollte man sich unbedingt vorher über die Abfahrtszeiten informieren, um am Ende einer langen, anstrengenden, aber überaus eindrucksvollen Rundwanderung keine böse Überraschung zu erleben!
HM/Zeit:
vom Seeberg-Pass auf den Krautgartenkogel ca. 800 Hm (mit Gegensteigungen) in ca. 2½–3,0 Stunden beim Aufstieg bzw. ca. 2¼–2¾ Stunden beim Abstieg über den Prinzensteig zum Brandhof.
Zeitraum:
Mitte April–Ende Oktober (je nach Schneelage)
Anforderungen:
Lange, teilweise steile, aber technisch einfache Tour auf unterschiedlichen Wegen (grasbewachsen, steinig, schmal, breit), beim Aufstieg auf die Seeleiten sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit nötig.
Highlights:
Die Schönheiten des typischen Hochschwab-Landschaftscharakters; fast auf der gesamten Tour wunderschöner Blick auf die umliegenden Gipfel; der Brandhof
Anfahrt:
Auf der Bundesstraße B 20, die die Region Kapfenberg/Bruck a. d. Mur im Süden mit Mariazell und St. Pölten im Norden verbindet, bis zum höchsten Punkt des Seeberg-Passes dort den PKW am Parkplatz beim Weitwanderdenkmal abstellen. Man kann aber auch mit dem öffentlichen Bus an- bzw. abreisen.
Einkehr:
Gasthaus am Seeberg-Pass (ca. 5 Gehminuten), Mitterbodenhütte (im Sommer bewirtschaftet)
Koordinaten Ausgangspunkt:
Referenzsystem ETRS89
Geogr. Länge/Breite: 15°16‘56‘‘/47°37‘33‘‘
Rechtswert (UTM): 521220 m (Zone: 33 N)
Hochwert (UTM): 5274760 m (Zone: 33 N)

BEV Plan:
ÖK25V/4210-Ost


Rechtlicher Hinweis:
Auf alle bei den Wandertipps verwendeten Unterlagen (Texte, Bilder, Pläne etc.) besteht ein Copyright. Diese dürfen daher im gewerblichen Verkehr nur mit Genehmigung (bei Veröffentlichung und Vervielfältigung) verwendet werden.