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Rinnensee:
Auf den Spuren von Franz Senn
Abb. 1
Der Pfarrer von Neustift im Stubaital Franz Senn (1831-1884) war Mitte des 19. Jahrhunderts einer der Pioniere des alpinen Tourismus. Der Mitbegründer des Deutschen Alpenvereins initiierte auch den Bau einer Schutzhütte auf 2.149 m am oberen Ende des Oberbergtals unweit des Alpeiner Ferners. Die erst nach seinem Tode fertig gestellte Hütte trägt heute seinen Namen und zählt zu den größten Schutzhütten Nordtirols. Alljährlich kehren tausende Bergfreunde in der Franz-Senn-Hütte ein, das bedeutet, dass man speziell an sonnigen Tagen nicht alleine ist, wenn man von der Oberisshütte aufsteigt. Auch der weitere Weg von der Franz-Senn-Hütte zum Rinnensee und der hinter dem See liegenden Rinnenspitze (Abb. 1) ist bei Bergwanderern sehr beliebt.

Ausgangspunkt der nachfolgend beschriebenen Tour ist der gebührenpflichtige Parkplatz bei der Oberisshütte (1.742 m). Diese liegt am Ende der für PKW geöffneten Bergstraße durch das Oberbergtal, ein Seitental des Stubaitals. Auf breitem Weg geht es leicht ansteigend an den rechten Rand des hier noch breiten Tals (Abb. 2). Bei einer Weggabelung, die man nach rund 10 Minuten erreicht, werden für den Aufstieg zwei Varianten angeboten. Wir empfehlen für den Aufstieg den linken Steig, der - wie eine Wegweisertafel ankündigt - nicht gepflegt wird. Der Steig führt oberhalb und später neben einer Klamm mit Wasserfall (Abb. 3) stetig ansteigend taleinwärts. Dabei sind auch mit etwas Vorsicht schräge Felsplatten und kleinere Moore zu überwinden. Nach rund 45-50 Minuten wird das Gelände wieder flacher und der von uns gewählte Aufstiegsweg trifft knapp nach der bewirtschafteten Alpeinalm (2.040 m) wieder auf die zweite Steigvariante, die wir zum Abstieg nützen werden. Nun - bereits die mächtige Franz-Senn-Hütte (Abb. 4) vor Augen - geht es nur mehr leicht ansteigend bis zum Schutzhaus, wo sich der Blick zur imposanten Bergkulisse der nördlichen Stubaier Alpen (Abb. 5) endgültig öffnet. Für den rund 400 Hm (Höhenmeter) Aufstieg von der Oberisshütte benötigt man ca. 75-90 Minuten.

Die Franz-Senn-Hütte ist Ausgangspunkt für eine ganze Reihe von wundervollen Bergtouren. Unser Ziel ist der Rinnensee, der sich rund 500 Hm höher nordwestlich befindet. Bei einer der Weggabelungen hinter der Franz-Senn-Hütte wählen wir den Steig, der zu den steilen Hängen rechts von der Hütte führt. Zu Beginn noch recht gemütlich, wird in weiterer Folge eine Steilstufe mit Serpentinen überwunden. An der Ostseite dieser Steilstufe sind bei einer etwas ausgesetzteren Stelle bei einem Wasserfall auch ein kurzes Stück Sicherungsseile gespannt, die man aber nicht benötigt. Etwa 100 Hm über der Franz-Senn-Hütte führt der gut angelegte Steig westwärts. Nach ein paar Minuten überwindet man mit weiteren Serpentinen auf dem nun teilweise recht steilen Steig weitere rund 150 Hm. Nun hoch oben über der Hütte und dem Talboden mit dem in Mäanderform fließenden Alpeinerbach (Abb. 6) führt unser Steig eine Zeit lang kaum ansteigend taleinwärts, wobei wir uns dem inzwischen leider auch schon sehr verkleinerten Alpeiner Ferner auf der gegenüberliegenden Talseite laufend nähern. Dabei müssen immer wieder auf Steinen talwärts rauschende Bäche und an einer Stelle Blockwerk überschritten werden. Danach wird es nochmals etwas steiler und nach rund 75-90 Minuten von der Franz-Senn-Hütte erreichen wir einen besonderen Platz (ca. 2.500 m): Am Rande einer mit viel Blockwerk gefüllten Senke, die wir in weiterer Folge überwinden müssen, stehen Bank und Tisch (Abb. 7), die einem bereits verstorbenen englischen Bergfreund gewidmet sind. Diese sind in Richtung Alpeiner Ferner gerichtet, damit man den tollen Ausblick in Ruhe genießen kann.

Nun folgt der anspruchsvollste Teil unserer Tour: Von der Bank geht es noch über eine Wiese leicht abwärts in die Senke (Abb. 8) zu einem breiteren Wasserlauf, den man auf Steinen gut und sicher überwinden kann. Wieder ansteigend, muss nun das teilweise in Stufen geschichtete Blockwerk überwunden werden, bevor man erneut auf einen zwar steinigen, aber gut zu gehenden Steig gelangt, auf dem man zu einer Weggabelung (ca. 2.600 m) aufsteigt. Nur geübte Berggeher können - teils mit Sicherungen - die 400 Hm zur Rinnenspitze, die exakt 3.000 m hoch ist, aufsteigen! Wir wandern links, müssen - steiler ansteigend - wieder Blockwerk überwinden und erblicken an der Kante erstmals den Rinnensee (Abb. 9), der in einer Mulde auf 2.646 m liegt. Weiter über Blockwerk kann man fast eben bis zum Seeufer gehen. Nicht ganz so schwierig wie der Aufstieg auf die Rinnenspitze ist der weitere Aufstiegsweg von rund 45 Minuten bis zum Rinnennieder (2.899 m), einem Übergang zum Lüsener Ferner. Für den 500 Hm-Aufstieg von der Franz-Senn-Hütte zum Rinnensee benötigt man ca. 1½-2,0 Stunden, für den gesamten Aufstieg von der Oberisshütte, bei dem ca. 900 Hm zu bewältigen sind, etwa 3,0-3½ Stunden.

Zurück zur Franz-Senn-Hütte geht es in 1,0-1¼ Stunden auf dem Aufstiegsweg, wobei man auf alle Fälle bei der Aussichtsbank eine kurze Rast einlegen sollte. Von der Schutzhütte wandert man in ca. 10-15 Minuten zur Weggabelung kurz vor der Alpeinalm. Wir halten uns links, marschieren auf gutem, aber etwas steinigem Weg fast eben bis ans Ende der Alm. Dort sollte man sich unbedingt nochmals umdrehen und den tollen Blick zu den beiden Hütten (Alpeinalm und Franz-Senn-Hütte, Abb. 10) und zur dahinter liegenden Gletscherlandschaft genießen. Vorbei an einem Felsen gibt es jetzt eine schöne Aussicht rund 300 Hm hinunter zur großflächigen Oberissalm und talauswärts (Abb. 11). In unzähligen Serpentinen geht es nun - zuerst durch Latschen und Sträucher, später dann im Wald - hinunter zum Zusammentreffen der beiden Wege und retour zur Oberisshütte, die man von der Franz-Senn-Hütte in etwa 1,0-1¼ Stunden erreicht. Für den gesamten Abstieg vom Rinnensee sollte man etwa 2,0-2½ Stunden einplanen.
HM/Zeit:
Aufstieg von der Oberisshütte zum Rinnensee ca. 900 Hm in etwa 3,0-3½ Stunden, Abstieg in ca. 2,0-2½ Stunden; Aufstieg von der Oberisshütte zur Franz-Senn-Hütte ca. 400 Hm in ca. 75-90 Minuten (Aufstieg) bzw. 1,0-1¼ Stunden (Abstieg)
Zeitraum:
Juni-Oktober
Anforderungen:
Lange, anstrengende Tour auf steinigen und steilen Steigen. Für den Aufstieg über den nicht gepflegten Weg von der Oberisshütte zur Alpeinalm sowie für den finalen Auf- und Abstieg über Blockwerk zum Rinnensee ist an einigen Stellen Trittsicherheit notwendig.
Highlights:
Gletscherblick, Rinnensee
Anfahrt:
Auf der A 13 (Brennerautobahn, Maut!) bis zur Ausfahrt Schönberg, weiter auf der L 183 12 km bis Neustift (2. Ausfahrt) und ca. 2 km weiter nach Milders; im Ortszentrum auf die Straße ins Oberbergtal abbiegen und ca. 10 km taleinwärts bis zur Oberisshütte fahren, auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz parken.
Einkehr:
Oberisshütte, Alpeinalm, Franz-Senn-Hütte


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