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Rax:
Auf steirischen Wegen und Steigen
Abb. 1
Der größte Teil der Rax befindet sich auf niederösterreichischem Gebiet. Nur rund ein Drittel, darunter aber auch der höchste Punkt, die Heukuppe mit 2.007 Metern, liegt in der Steiermark. An sonnigen Wochenenden strömen hunderte Ostösterreicher und auch viele Besucher aus den östlichen und nördlichen Nachbarländern zu diesem beliebten Wanderberg. Steirer hingegen trifft man seltener, die Rax (Abb. 1) wird von ihnen eher stiefmütterlich behandelt. Warum? Es liegt vielleicht an der nordöstlichen Randlage und daran, dass über 800 Gipfel in der Grünen Mark höher sind als die Rax. Zu groß ist die Konkurrenz von Dachstein, Niederen Tauern, Zirbitzkogel oder Hochschwab.

Unserer Meinung nach aber zu Unrecht, denn Touren auf der Rax haben durchaus alpinen Charakter und sind überaus abwechslungsreich. Der nachfolgende Wandertipp beschränkt sich auf steirische Wege und Steige. Ausgangspunkt ist der Gasthof Moassa, der auf ca. 1.160 m hoch über dem steirischen Ort Altenberg liegt. Wenn man sich von der steirischen Seite der felsigen Heukuppe nähert (Abb. 2), glaubt man eigentlich nicht, dass es hier mit dem Altenbergsteig einen zwar steilen, aber technisch einfachen Aufstiegsweg auf das almenreiche Rax-Plateau gibt. Trotzdem sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit notwendig!

Vom Gasthof Moassa geht es zuerst kurz auf der Forststraße und nach einer Rechtskurve auf der Wiese steil - den Raxenmäuern - entgegen aufwärts, bis man nach ca. 20 Minuten die unbewirtschaftete Jahnhütte (1.312 m) erreicht. Ein kurzes Stück durch den Wald und dann geht es mäßig steil auf einem Karrenweg bis zur ebenfalls unbewirtschafteten Karreralm (1.450 m, Abb. 3). Nochmals über eine Wiese, ein kurzes Stück durch den Wald abwärts und dann quert man (vorsichtig!) ein breites Geröllfeld. Bei Nässe und speziell nach starken Regenfällen ist das Queren nicht ratsam!

Auf der anderen Seite des Geröllfeldes angekommen, beginnt der eigentliche, sehr steile Aufstieg auf dem Altenbergsteig. Zuerst durch den Wald und in weiterer Folge im freien Gelände flankiert von mächtigen Felsen führt unser Weg mit vielen Serpentinen aufwärts. Die teilweise angebrachte Seilsicherung ist eher für das Almvieh beim Auf- bzw. Abtrieb gedacht, kann aber bei starkem Nebel, den es auf der Rax immer wieder gibt, auch Wanderern wertvolle Hilfe leisten. Es geht weiter links vorbei an einer mächtigen Felsformation (Abb. 4), wobei man speziell an dieser Stelle sieht, wie genial der Altenbergsteig angelegt ist. Immer wieder erstrecken sich tiefe, felsige Gräben talwärts.

Im oberen Teil des Altenbergsteigs, man hat gerade einen Punkt passiert, der auf den meisten Karten "Am hohen Stein" (1.725 m) genannt wird, gibt es dann viele Schottersteine und es wird steil. Zum Schluss geht es über ein paar angelegte Stufen und man erreicht nach ca. 2,0 Stunden vom Ausgangspunkt, in denen man knapp 700 Hm bewältigt hat, nahe beim Zahmen Gamseck (1.849 m) das Hochplateau der Rax. An dieser Wegkreuzung kann man sich entscheiden, ob man auf einem blau markierten Steig unterhalb des Gipfels, der Heukuppe, direkt zum Karl Ludwig Haus marschiert oder ob man auf den Gipfel steigen will. Auf einem Almpfad (Abb. 5) geht es in etwa 30-40 Minuten die letzten, gemütlich ansteigenden 160 Hm zum höchsten Punkt der Rax, den ein denkmalähnliches Gebilde (Abb. 6) ziert. Für den gesamten Aufstieg vom Gasthaus Moassa über den Altenbergsteig auf die Heukuppe benötigt man für ca. 850 Hm rund 2¼-2¾ Stunden.

Nach einer Rast kann man entweder in ca. 2,0 Stunden wieder auf dem Aufstiegsweg absteigen oder man verlängert die Tour, indem man Richtung Osten weitermarschiert. Speziell an den ruhigeren Wochentagen kann man dabei den wenig scheuen Gämsen (Abb. 7) recht nahe kommen. Nach ca. 10 Minuten kommt man erneut an eine Weggabelung. Links (in nördlicher Richtung) steigt man in ca. 15-20 Minuten steil über Wiesen und auf Schottersteinen entlang eines Grabens (Raxgletscher), der oft bis in den späten Sommer mit Schnee gefüllt ist, zum unübersehbaren Karl Ludwig Haus (1.804 m, Abb. 8) ab. Etwas länger benötigt man, wenn man entlang der Abbruchkante, zwischen Almboden und Felsen, an der einige Klettersteige das Hochplateau erreichen, zum Raxkircherl absteigt und von dort einige Meter zum Karl Ludwig Haus wandert. Hinter diesem Schutzhaus beginnt der so genannte "Schlangenweg" (Abb. 9), auf dem wir über den steilen Siebenbrunnenkessel unzählige Serpentinen zur Siebenbrunnenwiese (1.350 m) hinunterwandern. Der Name bezieht sich natürlich nicht darauf, dass man sich auf diesem breit angelegten Weg, der sehr gut begehbar und meist stark frequentiert ist, vor Giftschlangen fürchten muss, sondern auf die schlangenförmige Wegführung. Gute Geher benötigen für diesen 450 Hm-Abstieg gerade einmal 30-45 Minuten, auch bei einem Schlechtwettereinbruch kann der "Schlangenweg" problemlos begangen werden.
Von der Siebenbrunnenwiese, die zur Rast einlädt (man kann aber auch nordwärts kurz zum Waxriegelhaus, durch das die steirisch-niederösterreichische Landesgrenze verläuft, aufsteigen), geht es nun auf dem Kontrußsteig Richtung Süden zur unbewirtschafteten Reißtaler Hütte (1.447 m). Auf diesem schmalen Waldsteig geht es zuerst wieder etwas hinauf (ca. 100 Hm) und dann in einem steten "Auf und Ab" über viele Baumwurzeln Richtung Reißtaler Hütte. Kurz bevor man diese erreicht, kreuzen einige der Klettersteige, die vom Hochplateau hierher führen, unseren Weg bzw. vereinen sich mit ihm. Hinter der Hütte zweigt rechts ein weiterer Klettersteig, der beliebte Reißtaler Steig, von unserem nun wieder breiten Weg (Redensteig) ab.

Nach etwa 15 Minuten, in denen es nur mäßig abwärts geht, zweigen rechts zwei blau markierte Steige ab. Wir verlassen ebenfalls die breite Forststraße und steigen auf einem nun schmalen Steig ein kurzes Stück steil abwärts, um gleich wieder auf einen breiteren Forstweg zu gelangen. Erneut geht es eher gemütlich abwärts, vorbei an einer Privatalm, bis man zum finalen - etwas steileren - Abstieg mit Blick Richtung Westen zu den Felsen entlang des Altenbergsteiges (Abb. 10) zurück zum Ausgangspunkt links abzweigt. Für diese Abstiegsvariante über das Karl Ludwig Haus, den Schlangenweg und den Kontrußsteig zum Gasthaus Moassa (Abb. 11) benötigt man von der Heukuppe etwa 2½-3,0 Stunden.
HM/Zeit:
vom Gasthaus Moassa über den Altenbergsteig zur Heukuppe ca. 850 Hm in etwa 2¼-2¾ Stunden (Aufstieg) und ca. 2,0 Stunden (Abstieg);für den Abstiegsweg über das Karl Ludwig Haus und den Schlangenweg benötigt man bei einer Gegensteigung von ca. 100 Hm etwa 2½-3,0 Stunden.
Zeitraum:
Mai-Mitte November (je nach Schneelage)
Anforderungen:
Technisch einfache, aber anspruchsvolle Tour (steil und lang); beim Queren nach der Karreralm und speziell am Altenbergsteig sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit notwendig.
Highlights:
Wunderbare Tour, vor allem der Aufstieg am Altenbergsteig; der Rundblick von der Heukuppe
Anfahrt:
Von Wien (A2, S6) und von Graz (A9, S35, S6) bis Abfahrt Mürzzuschlag. Durch den Ort bis zur Abzweigung Neuberg/Mariazell und dann auf der B23 bis Kapellen, rechts abzweigen in Richtung Preiner Gscheid, nach ca 2,5 km links in Richtung Gasthaus Moassa abbiegen und auf der ca. 4,0 km langen, schmalen Bergstraße hinauf zu den Parkplätzen beim Gasthaus fahren.
Einkehr:
Gasthaus Moassa, Karl Ludwig Haus, Waxriegelhaus (kurzer Umweg)


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