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Gamshag:
Wanderungen im Talschluss des Glemmtals - ein Genuss!
Abb. 1
Unter Bergwanderern gibt es immer wieder Diskussionen, welcher Talschluss denn der schönste ist. Für Salzburg zählt das obere Ende des Glemmtals (Abb. 1), das durch die Wintersportregion Saalbach-Hinterglemm auch über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt ist, sicherlich zu den beeindruckendsten. Hoch oben, auf über 2.000 Metern am Hochtorsee, entspringt auch die Saalach, der zweitlängste Fluss des Bundeslandes Salzburg, die bei der Landeshauptstadt Salzburg nach etwas über 100 km in die Salzach mündet. Nachfolgend beschreiben wir zwei Wanderungen im Talschluss des Glemmtals, eine aufwändigere Rundtour hinauf zum Hochtorsee und zum Gamshag und eine kürzere oberhalb des Henlab Grabens hinauf zum Henlab Joch. Ausgangspunkt beider Touren ist der große und gebührenfreie Parkplatz in Lengau (ca. 1.170 m), etwa 5 km westlich des Ortes Hinterglemm.

Tour 1: Für die große Rundtour mit Ziel Gamshag kann man vom Parkplatz in Lengau entweder den s. g. "Talschlusszug" nehmen, der ab 09.20 Uhr stündlich Heerscharen von Touristen zur 140 Hm (Höhenmeter) höher und knapp 2 km taleinwärts gelegenen Lindlingalm (1.310 m, Abb. 2) bringt, oder man wandert in rund 30-35 Minuten auf dem rechts abzweigenden Panoramaweg bzw. auf dem links abzweigenden Fahrweg (vorbei an der Stefflalm) gemütlich hinauf zur Lindlingalm. Hier starten nicht nur die meisten Talschluss-Touren, hier befindet sich auch ein kleines "Disneyland" für Groß und Klein. Ein Baumwipfel-Parcours, ein Klettergarten und das "Teufelswasser", bei dem man mehr über Bergbäche erfährt, sorgen dafür, dass die meisten der Touristen, die den "Talschlusszug" genommen haben, sich hier aufhalten.

Wir aber wandern vorbei am "Teufelswasser" taleinwärts. Nach rund 5 Minuten leitet uns ein Hinweisschild links über eine Holzbrücke zu einem kurzen Wegstück durch den Wald. Dann kommen wir zu einer Abzweigung, bei der wir wieder links zuerst auf dem breiten "Alpenrosen-Rundweg" aufsteigen. An dessen höchster Stelle zweigt nun unser teilweise recht steiler Steig bergwärts ab. Von hier hat man einen prachtvollen Blick zum Talschluss des Glemmtals. Zunächst über offenes Gelände, dann durch den Wald und weiter über eine Alm streben wir einem Wasserfall (Abb. 3) zu, der links umgangen wird, wobei einer der vielen Wasserläufe etwas mühsam zu übersteigen ist. Nachdem diese Steilstufe überwunden wurde, erreicht man wieder sanfteres Gelände. Doch schon rund 15-20 Minuten, nachdem man den ersten Wasserfall absolviert hat, wartet der zweite, der ebenfalls links, aber mit Hilfe von Stufen und einem Seil überwunden wird, da er um einiges steiler ist. Oben angekommen führt unser Steig rechts aus dem Bachbett weiter hinauf auf eine größere Alm (ca. 1.850 m, Abb. 4) und zu einer Wegkreuzung. Rechts kann man rund 100 Hm zur Pfandebenalm absteigen und von dort direkt zum Hochtorsee aufsteigen. Etwas länger, aber - wie sich bald herausstellen wird - schöner ist der links führende Weg, der uns mit kleineren Steilstufen in rund 30 Minuten hinauf zur Schusterscharte (1.985 m) führt. Hier, bereits jenseits der Landesgrenze auf Tiroler Boden, erwartet uns - nach rund 1¾-2,0 Stunden und 675 Hm von der Lindlingalm - ein erster, traumhafter Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Hohen Tauern mit der Dreiherrenspitze und auf die Zillertaler Alpen (Abb. 5).

Wir halten uns rechts und je weiter wir uns am bzw. neben dem Kamm im leichten Auf und Ab Richtung Westen bewegen, desto traumhafter wird die Aussicht. Fast zum Greifen nahe erhebt sich schon bald südlich von uns der Großvenediger (Abb. 6). Nach 45-60 Minuten über diese wunderschöne Hochalm erreichen wir das Hochtor (ca. 2.000 m), wo die Entscheidung über die weitere Wanderung zu treffen ist: Entweder bequem in rund 15 Minuten Richtung Norden direkt zum Hochtorsee oder steil und etwas ausgesetzt in etwa 30 Minuten hinauf auf den Teufelssprung (2.174 m), wobei knapp bevor man das kleine Gipfelkreuz erreicht, eine kurze, aber ungefährliche Kletterpassage (Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich!) auf uns wartet. Vom Gipfel sieht man den Großglockner, den höchsten Berg Österreichs. Wir steigen ein paar Schritte hinunter und wandern in weiteren 30-35 Minuten den Kamm entlang und schlussendlich hinauf zum Gipfel des Gamshags (2.179 m, Abb.7). Großartig der Blick, der große Teile der Bergwelt Tirols und Salzburgs umfasst! Neben den bereits genannten Berggruppen reicht die Sicht von den Ötztaler Alpen und dem Wettersteingebirge mit der Zugspitze im Westen bis zum Hochkönig und den Niederen Tauern im Osten. Im Norden thronen über der Skistadt Kitzbühel mit dem weltberühmten Hahnenkamm die Felsformationen des Wilden Kaisers und der Leonganger und Loferer Steinberge.

Vom Gipfelkreuz des Gamshags geht es in rund 20-25 Minuten auf gutem, sicherem, aber sehr steilem Steig rund 170 Hm hinunter zum Hochtorsee, der ständig in unserem Blickfeld liegt (Abb. 8). Wer sich den technisch doch etwas aufwändigeren Steig auf den Teufelssprung ersparen will, für den ist dieser Weg vom Hochtorsee eine gute Alternative, um auf den Gamshag zu gelangen. Vom Hochtorsee, in dem auch die Saalach entspringt, geht es jetzt weiter auf der "Rundtour 2" Richtung Norden an den steilen Hängen des Gamshags entlang oberhalb der Toralm zum Tor (1.931 m). Wir steigen nun wieder rund 50 Hm auf und umwandern dabei rechts auf einem schmalen, seitlich etwas abschüssigen Steig den Tristkogel. Dann geht es wieder abwärts zum Saaljoch (1.885 m), wo wir zum letzten Mal auf dieser Tour einen Blick nach Kitzbühel und zum Wilden Kaiser (Abb. 9) genießen können und wir Tirol wieder verlassen. Auf Salzburger Wegen geht es hier zuerst durch ein vollkommen ungefährliches Felsentor hinunter auf eine Alm (ca. 1.800 m) zu einer weiteren Weggabelung (Wegzeit vom Hochtorsee: ca. 60-75 Minuten). Links geht es hinauf zum Oberreiter Joch und zum Staffkogel, wir aber zweigen rechts ab und steigen auf einem breiten Weg flott (ca. 45-50 Minuten) zur Saalalm (1.442 m) und in 15-20 Minuten zur Lindlingalm ab. Zuletzt geht es mit dem "Talschlusszug" (letzte Talfahrt: 16.40 bzw. 17.40 Uhr) oder zu Fuß in 20-25 Minuten wieder zurück nach Lengau.

Tour 2: Ebenfalls in Lengau befindet sich der Ausgangspunkt für die Tour zum Henlab Joch - eine Genusstour für Wanderer, die ruhige Hochalmen lieben. Dazu benützt man am Ende des Parkplatzes den rechts führenden Panoramaweg 3 und zweigt nach rund 10 Minuten rechts vom breiten Weg ab. Zuerst durch bewaldetes Gebiet und weiter oben über Almen erreicht man nach rund 60-75 Minuten die untere Abzweigung zur bewirtschafteten Forsthofalm (ca.1.500 m), die man aber auf der rechten Seite umwandern kann. Nach weiteren 15-20 Minuten bei der oberen Abzweigung führt nun rechts ein breiter Weg in 20 Minuten zur Eibing-Hochalm (ca. 1.620 m) und dann ein Steig in ca. 45-60 Minuten über teilweise etwas steileres und steiniges Almgebiet hinauf zum Henlab Joch (1.863 m, Abb. 10). Hier an der Landesgrenze zwischen Salzburg und Tirol, die man vom Ausgangspunkt nach ca. 700 Hm und 2¼-2¾ Stunden erreicht, kann man im Norden den Wilden Kaiser und im Süden die schneebedeckten Gipfel der Glockner-Gruppe (Kitzsteinhorn, Großes Wiesbachhorn) bewundern. Leider ist nur die oberste Spitze des Großglockners zu sehen. Rund 45 Minuten - sehr steil und etwas ausgesetzt (Trittsicherheit erforderlich!) - hinauf und 30 Minuten herunter benötigt man, wenn man die benachbarte Sonnspitze (2.062 m, Abb. 11) besteigen will. Für den Abstieg am Aufstiegsweg vom Henlab Joch nach Lengau benötigt man rund 1¾-2¼ Stunden.
HM/Zeit:
Tour 1: Vom Parkplatz in Lengau über die Schusterscharte und den Teufelssprung auf den Gamshag mit Gegensteigungen beim Auf- und Abstieg ca. 1.150 Hm in 4,0-4½ Stunden (Aufstieg) und über Hochtorsee, Saaljoch und Saalalm ca. 3½-4,0 Stunden (Abstieg).
Tour 2: Vom Parkplatz in Lengau über die Eibing-Hochalm zum Henlab Joch ca. 700 Hm in 2¼-2¾ Stunden (Aufstieg) und ca. 1¾-2¼ Stunden (Abstieg).
Zeitraum:
Mai-Oktober (je nach Schneelage)
Anforderungen:
Tour 1: Lange, teilweise sehr steile und anstrengende Tour auf meist gut markierten Wegen und Steigen. Am Aufstiegsweg zur Schusterscharte gibt es beim oberen Wasserfall Stufen und Seilsicherung. Beim steilen, etwas ausgesetzten Steig vom Hochtor auf den Teufelssprung befindet sich eine ganz kurze Kletterpassage (Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich!).
Tour 2: Nicht allzu lange, zu Beginn und kurz vor dem Henlab Joch etwas steilere, aber technisch einfache Wanderung auf gut markierten Wegen und Steigen.
Highlights:
Tour 1: Großartiger Ausblick auf die Tiroler und Salzburger Bergwelt; die schönen Almlandschaften im und oberhalb des Talschlusses des Glemmtals und der Hochtorsee, der Ursprung der Saalach
Tour 2: Blick zum Wilden Kaiser und zur Glockner-Gruppe; die ausgedehnten Almlandschaften rund um die Eibing-Hochalm
Anfahrt:
Von der Bundesstraße B 311 (Bischofshofen - Lofer) zweigt zwischen Saalfelden und Zell am See bei Maishofen die gut ausgebaute Landesstraße L111 Richtung Westen ins Saalachtal ab. Auf dieser durch Viehhofen und Saalbach-Hinterglemm rund 23 km taleinwärts bis zum Parkplatz in Lengau. Dort stehen genügend Parkplätze gratis zur Verfügung, außerdem gibt es eine Busstation.
Einkehr:
Tour 1: Staffalm, Lindlingalm, Saalalm
Tour 2: Forsthofalm (kurzer Umweg)


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