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Jochkofel/Hochjoch:
Der "Schönen Aussicht" entgegen
Abb. 1
In den Ötztaler Alpen bildet der Alpenhauptkamm die Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien. Nur wenige Meter davon entfernt thront auf 2.842 m auf Südtiroler Seite die Schutzhütte "Schöne Aussicht" (Abb. 1), die man sowohl von Vent in Nordtirol als auch von Kurzras im Schnalstal von Süden aus besteigen kann. Der nachfolgende Wandertipp widmet sich der zweitgenannten Aufstiegsvariante und führt vom hoch gelegenen Hoteldorf Kurzras (2.011 m) auf einem gut präparierten Steig zur Schutzhütte und zu einem unmittelbar dahinter liegenden, unmarkierten Gipfel, dem Jochkofel. Weniger interessant ist der kurze Abstecher zur Grenze, dem Hochjoch, wo heute immer noch eine alte Zollhütte steht. Dieser Übergang wird auch heute von den Bauern genützt, die ihr Vieh von Südtirol auf die im Norden gelegenen Almen und umgekehrt treiben.

Schon auf dem Weg zum Ausgangspunkt auf der 23,5 km langen Bergstraße, die in Naturns im Etschtal (Standort des Messner Mountain Museums Juval) von der Staatsstraße SS 38 Richtung Norden abzweigt, geht es vorbei am Vernagt-Stausee mit Blick zur 3.433 m hohen Saldurspitze (Abb. 2). Etwas später öffnet sich der Blick zur schneebedeckten, 3.739 m hohen Weißkugel, dem dritthöchsten Berg Österreichs (Abb. 3). In Kurzras, das man auch mit dem öffentlichen Bus erreichen kann, parkt man den PKW auf einem der großen Parkplätze am Ortsbeginn. Auf einer leicht ansteigenden, nur für Anrainer und Hotelgäste geöffneten Straße wandert man dann vorbei an der Dorfkapelle und an der Seilbahn, die rechts auf die Grawand (3.251 m) führt, aufwärts. Hinter den Hotels zweigt unser breiter Steig (Nr. 3) rechts ab und führt Richtung Norden mit Blick auf die von uns beim Aufstieg zu bezwingenden Hängen in den Wald (Abb. 4). Hier werden rund 150 teilweise recht steile Hm überwunden. Abzweigende Wege werden dabei ignoriert. Nun bereits im Bereich der Waldgrenze wird unser Steig etwas steiniger und führt anschließend schmäler werdend über Blockwerk weiter aufwärts. Mit der nötigen Vorsicht ist dieser Wegteil problemlos zu bewältigen. Dann folgt – wieder auf besser begehbarem, breiterem Steig – eine Hangquerung, die uns jetzt in Richtung Nordost erneut in felsigeres Gebiet führt. Steiler ansteigend geht es mit Serpentinen kurz über steiniges Terrain, bevor sich unser Aufstiegsweg wieder Richtung Norden wendet. Neben Felsen geht es auf gestuftem Blockwerk zu einer Abzweigung, bei der es rechts zur Teufelsegg-Hütte (2,440 m), die aber nur im Winter geöffnet hat, geht. Hier befindet sich auch eine Lift-Zwischenstation für die nur im Winter betriebenen Anlagen für Skifahrer (Abb. 5)

Wir haben bei der Abzweigung nach etwa 75–90 Minuten bereits die Hälfte der zu überwindenden Hm geschafft und beim nächsten, recht steilen Wegteil wird hoch oben erstmals unser Hüttenziel Richtung Nordosten sichtbar (Abb. 6). Schon hier kann man sich überlegen, wie unser Steig das felsige Gelände unterhalb der hoch oben thronenden Schöne Aussicht Hütte überwinden wird – aber lassen Sie sich überraschen! Wer das nicht möchte, kann bei der Teufelsegg-Hütte auf die parallel verlaufende Skipiste wechseln, die zwar steil nach oben führt, aber auch von Hüttenfahrzeugen verwendet wird. Am oberen Ende des von uns gerade bewältigten, breiten, sehr gut begehbaren Steilstückes, an dessen Ende wir den breiten Taldurchgang zwischen Grawand und der Grauen Wand im Osten und dem Hasenkopf und der steil nach oben verlaufenden Steinschlagspitze verlassen, öffnet sich nun sanft ansteigendes Almland (Abb. 7). Immer wieder werden Bäche überschritten und einmal geht es unter einer Liftanlage durch. Wieder nähern wir uns felsigerem Gebiet und auf einem steinigeren Steig geht es in einen Talkessel, an dessen Anfang eine Brücke an einer Bruchstelle errichtet werden musste. Bei einer Abzweigung (ca. 2.700 m) – links biegt der Steig zu der für uns bei der ganzen Tour nicht sichtbaren Weißkugel ab – beginnt hier der steinige, finale Anstieg zur Schutzhütte. Ist es zu Beginn noch ganz einfach, kommen wir jetzt zu einer Art "Schlüsselstelle". Über gestuftes Blockwerk geht es nun auf schmälerem Steig den felsigen Hang steil aufwärts (Abb. 8). Aber auch hier gilt: mit der gebotenen Vorsicht problemlos begehbar! Erst ganz am Schluss dieser sich nun fortsetzenden, steinigen Steilstufe wird das beliebte Schutzhaus sichtbar (Abb. 9). Für den gesamten Anstieg, bei dem man knapp 850 Hm bewältigen muss, benötigt man etwa 2½–2¾ Stunden.

Und den Namen trägt die Hütte voll und ganz zu Recht: Die schöne Aussicht umfasst vor allem die Gletscher im Bereich der Grauen Wand, der Grawand (Abb. 10) und unterhalb der 3.516 m hohen Fineilspitze (Abb. 11), (etwas südöstlich dieses Alpenhauptkamm-Gipfels befindet sich auf italienischem Staatsgebiet die Ötzi-Fundstelle!). Richtung Westen sind der Schwemser Spitz (3.459 m) und die Saldurspitze (Abb. 12) wunderbar zu sehen. Schon weiter weg kann man im Südwesten Teile des Ortler-Gebietes (Abb. 13) erkennen. Die in Richtung Westen liegenden Gipfel sind samt der Schutzhütte (Abb. 14) auch von dem etwas höher gelegenen Jochkofel (2.860 m) zu sehen, wobei man diesen in den Plänen eingezeichneten Gipfel nur erahnen kann. Wer noch nicht müde ist, kann hinter der mit Sauna ausgebauten Schutzhütte in ca. 75–90 Minuten zum "Im hintern Eis" (3.269 m, + 430 Hm) aufsteigen, von dem man neben der Weißkugel auch die Wildspitze (Österreichs zweithöchsten Berg) und das größte Gletschergebiet der Ostalpen überblicken kann. Für den Abstieg benötigt man 45–60 Minuten.

Zur Rückkehr zum Ausgangspunkt kann man von der Schutzhütte hinunter zum Gletschersee und von dort weiter über die steile Skipiste absteigen. Schöner ist es natürlich, wenn man auf dem Aufstiegssteig in 1¾–2,0 Stunden wieder nach Kurzras absteigt. Die etwas mühsameren Wegteile über Blockwerk werden fast durchwegs mit beeindruckenden Ausblicken u.a. weit hinunter zum Rotkofelsee und nach Kurzras (Abb. 15) belohnt. Noch ein Hinweis: Diese wirklich schöne Tour liegt bereits größtenteils im Hochgebirge und daher sollte man sie nicht ganz untrainiert starten.
HM/Zeit:
Vom Parkplatz am Ortsbeginn von Kurzras auf dem Weg Nr. 3 zur Schönen Aussicht Hütte und dem dahinter liegenden Jochkofel etwa 850 Hm in ca. 2½–2¾ Stunden (Aufstieg) bzw. ca. 1¾–2,0 Stunden für den Abstieg auf dem Aufstiegsweg.
Zeitraum:
Juni–Oktober
Anforderungen:
Technisch einfache, immer wieder steile und anstrengende Tour, die vor allem im Bereich von Blockwerk Trittsicherheit und beim finalen Aufstiegsteil Schwindelfreiheit erfordert. Unbedingt die Höhenlage beachten!
Highlights:
Gletscherblick von der Schutzhütte und dem Jochkofel, auch unterwegs fast ständig schöne Ausblicke; das Messner Mountain Museum Juval in Naturns; die Ötzi-Fundstelle im Bereich der Fineilspitze
Anfahrt:
Am westlichen Ortsbeginn von Naturns im Vinschgauer Etschtal zweigt die 23,5 km lange Bergstraße ins Schnalstal von der Staatsstraße SS 38 Richtung Norden ab. Am Ende der Straße gibt es am Ortsbeginn von Kurzras genügend Parkplätze. Man kann auch mit dem öffentlichen Bus nach Kurzras fahren.
Einkehr:
Schöne Aussicht Hütte, Restaurants in Kurzras
Koordinaten Ausgangspunkt:
Referenzsystem ETRS89
Geogr. Länge/Breite: 10°47'00''/46°45'22''
Rechtswert (UTM): 636215 m (Zone: 32 N)
Hochwert (UTM): 5179650 m (Zone: 32 N)

BEV Plan:
ÖK50/2109


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