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Pretulalpe:
Almgenuss mit Schönheitsfehler!
Abb. 1
Wenn die Technik in die Natur eingreift, dann ist das Ergebnis für das Auge meist nicht sehr befriedigend! Oft sind es in Österreich – wie am Stuhleck – Liftanlagen und Schneekanonen, die das Erscheinungsbild erheblich stören können. Seit Neuesten sind es aber auch riesige, meistens schon von weitem sichtbare Windparks, die die Freude auf ein Natur- und Wanderjuwel erheblich einschränken können. So ist es auf dem langgezogenen Wiesenkamm auf der Pretulalpe (Abb. 1), der sich südwestlich an das Stuhleck anschließt, geschehen. Früher hatte man speziell von der Peter Bergnerwarte, dem höchsten Punkt der Pretulalpe, vor allem in den Herbstmonaten – bedingt durch den Süd-Fön – eine grandiose, makellose Fernsicht. Jetzt stören die Windräder leider beim Rundblick, was sehr bedauerlich ist!

Die Wege aber, die über lange Strecken im Wald auf die Pretulalpe führen, sind für Wanderer sehr reizvoll. Der nachfolgender Wandertipp beschreibt nun eine ausgiebige Rundtour mit einem optionalen Abstecher auf das 1.782 Meter hohe Stuhleck. Ausgangspunkt ist der oststeirische Ort Rettenegg (862 m). Vom Feuerwehrgebäude, das sich am nordöstlichen Ortsrand auf der Straße vom Pfaffensattel befindet und bei dem auch öffentliche Parkplätze zur Verfügung stehen, geht es auf der Hauptstraße vorbei an der Kirche zu einer Abzweigung, die sich kurz vor dem Gasthaus "Zur Post" befindet, bei der man rechts abzweigt. Hier beginnt der markierte Weg 741 ("Joglland-Roas"), auf dem man ständig auf breitem Weg nach ca. 30-35 Minuten und rund 100 Höhenmetern (Hm) auf eine über dem Ort gelegene Ebene gelangt. Nach einem kurzen Stück auf einer asphaltierten Straße, die neben ausgedehnten Wiesen mit schönem Blick Richtung Nordosten (Abb. 2) und hinauf zum Kamm auf der Pretulalpe (Abb. 3) sowie an einem Wegkreuz vorbei verläuft, zweigt man beim Hof Feldbauer rechts ab. Auf einem kontinuierlich, meist nicht sehr steil ansteigenden Weg bzw. Steig mit unzähligen Forststraßen-Querungen wandert man nun meist in Richtung Nordwesten in ca. 2,0–2¼ Stunden fast ständig im Waldgebiet zum Rosegger Haus (1.588 m, Abb. 4), das sich bereits auf dem breiten Wiesenrücken der Pretulalpe befindet.

Von dort geht es dann noch in etwas über 10 Minuten knapp 70 Hm gemütlich zur Peter Bergnerwarte (1.653 m, Abb. 5), die am höchsten Punkt der Pretulalpe steht. Leider wird der Ausblick – im Nordwesten zu den Gipfeln der steirischen (Abb. 6), (Abb. 7) und niederösterreichischen (Abb. 8) Kalkalpen und im Nordosten zum Hochwechsel (Abb. 9) sowie im Osten in die Oststeiermark (Abb. 10) durch die neu errichteten Windräder erheblich gestört. Für den langen Aufstieg vom Ausgangspunkt zur Peter Bergnerwarte, bei dem man fast genau 800 Hm bewältigt, benötigt man ca. 2¾–3,0 Stunden.

Die Tour setzt sich nun genau am Kamm oberhalb der rechts von uns liegenden Rettenegger Alm mit Blick zum Stuhleck in Richtung Nordost (Weg 702) fort. Vorbei an den riesigen Windrädern (Abb. 11) gelangt man auf einem leider neu errichteten, breiten Güterweg im stetigen Auf und Ab zuerst in etwa 30 Minuten zum nicht speziell gekennzeichneten Grazer Stuhleck (1.635 m) und von hier nun auf einem Wiesenpfad in etwa 15 Minuten zum Schwarzriegel (1.593 m), einem Sattel, wo von rechts der Weg Nr. 743, der "Planetenweg", einmündet. Auf dem Weg vom Grazer Stuhleck hierher wird nahe einer Abzweigung (links) nach Mürzzuschlag eine Feuchtstelle teilweise auf Holzbrettern überschritten. Auf dem leicht absteigenden, letzten Wegteil vor dem Schwarzriegel hat man endlich einen ungetrübten Blick auf die nicht sehr steil ansteigenden Wiesenhänge des vor uns liegenden Stuhlecks (Abb. 12) bzw. in nördlicher Richtung zur Rax (Abb. 13).

Beim Schwarzriegel entscheidet man, ob man rechts abzweigt und gleich wieder nach Rettenegg absteigt oder zuvor noch einen Abstecher (rund 200 Hm, 45–60 Minuten aufwärts, 30–45 Minuten abwärts) auf das Stuhleck und zum Alois Günther Haus unternimmt.

Der Abstieg auf dem "Planetenweg" beginnt vom Schwarzriegel zuerst steil (ca. 150 Hm) auf noch waldfreiem Almgelände und setzt sich dann nach einem kurzen Stück auf einer Forststraße auf einem links abzweigenden Steig durch den Wald fort. Dabei gibt es eine etwas steilere und leicht felsige Geländestufe mit etwas Vorsicht zu bewältigen. Diese kann man aber, wenn man auf der Forststraße bleibt, mit etwas höherem Zeitaufwand auch umgehen. Nachdem man die Geländestufe gemeistert hat, geht es etwas länger zuerst auf breitem Weg und dann wieder auf der Forststraße Richtung Süden. Nach einem kurzen Intermezzo auf einem nur mäßig absteigenden Stück wieder auf einem Waldsteig gelangt man wieder ins offene Gelände und schlussendlich zum Bauernhof "Maxl in Berg" (Abb. 14). Von hier führt auf eine asphaltierte Straße teilweise im Wald und teilweise im offenen Gelände mit Blick zum Ort abwärts nach Rettenegg (Abb. 15). Der Weg vom Schwarzriegel zum "Maxl im Berg" bietet eine Attraktion für die ganze Familie: Immer wieder gelangt man zu einer großen, gläsernen Kugel, in der einer unserer Planeten (mit ausführlichen Erklärungstexten) dargestellt wird. Vom Schwarzriegel benötigt man rund 1½–2,0 Stunden (und 700 Hm) bis zum Ausgangs- und Endpunkt dieser Almwanderung mit Schönheitsfehler (Windrädern) in Rettenegg. Auf der Hauptstraße im Tal angekommen, zweigt man links ab und steht bereits nach wenigen Schritten vor dem Feuerwehrhaus.

Wem der lange Auf- bzw. Abstieg von bzw. nach Rettenegg zu mühsam ist, der kann auf einer Mautstraße von Retten mit einer Zufahrtsmöglichkeit von Rettenegg zum Rosegger Haus fahren.
HM/Zeit:
von Rettenegg zum Rosegger Haus und weiter zur Peter Bergnerwarte ca. 800 Hm in ca. 2¾–3,0 Stunden (Aufstieg) bzw. über den Schwarzriegel mit ca. 50 Hm Gegensteigungen am Wiesenkamm in 2¼–2¾ Stunden (Abstieg); für den Abstecher vom Schwarzriegel auf das Stuhleck (rund 200 Hm) benötigt man 45–60 Minuten aufwärts und 30–45 Minuten abwärts;
Zeitraum:
April–November (je nach Schneelage)
Anforderungen:
technisch einfache, aber lange (speziell mit Aufstieg auf das Stuhleck) Tour auf markierten Güterwegen, Forststraßen, Waldsteigen und Wiesenpfaden für die ganze Familie.
Highlights:
Großflächige Almen, Rundblick mit Einschränkungen (Windräder), Planetenweg
Anfahrt:
Von Norden über den Semmering (S 6) bis Abfahrt Steinhaus und dann weiter über den Pfaffensattel nach Rettenegg. Von Süden auf der B 72 entweder von Graz über Birkfeld oder von Krieglach (S 6) und das Alpl (Roseggers Waldheimat) nach Ratten und von dort weiter nach Rettenegg. Nahe dem Feuerwehrhaus, das sich am nordöstlichen Ortsrand (Straße vom Pfaffensattel) gibt es öffentliche Parkplätze;
Einkehr:
Rosegger Haus, Alois Günther Haus (bei Abstecher auf das Stuhleck), GH in Rettenegg;


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