Wandertipps > Oberösterreich > Wandertipp

Hagler:
Am Budergrabensteig im Sengsengebirge
Abb. 1
Gemeinsam mit großen Teilen des Reichraminger Hintergebirges bildet das etwas höhere Sengsengebirge im Südosten von Oberösterreich den Nationalpark Kalkalpen. Geprägt wird dieses wunderschöne Gebiet zwischen dem Ennstal im Norden und Osten, dem Steyrtal im Westen und der Hengstpassstraße im Süden von engen Tälern und Schluchten sowie von unten waldbedeckten, oben felsigen Bergen und ausgedehnten Almen. Die höchste Erhebung im gesamten Nationalparkgebiet ist der Hohe Nock mit 1.963 m. Diesem im Süden vorgelagert, befindet sich das Ziel unseres Wandertipps, der um knappe 300 Hm (Höhenmeter) niedrigere Hagler (1.669 m, Abb. 1), ein von Bergwanderern ungerechterweise etwas vernachlässigter Gipfel. Für unseren Auf- und Abstiegsweg, den Budergrabensteig, kann man den oft zitierten Satz „Der Weg ist das Ziel“ auf jeden Fall anwenden. Er führt zwar steil und steinig, aber gut und sicher angelegt durch eine großartige Bergszenerie!

Ausgangspunkt unserer Tour ist der Parkplatz unweit des Jagdhauses Rettenbach (610 m, Abb. 2) am Ende einer ca. 5 km langen, schmalen Straße, die von der Bundesstraße B 138 im westlichen Gemeindegebiet von Windischgarsten abbiegt. Schon bei der Fahrt zum Ausgangspunkt kann man einen sehr schönen Blick auf den Hagler, das Hohe Nock und den Gamsplan (Abb. 3) genießen. Kurz vor dem Parkplatz zweigt links der Weg Nr. 463 Richtung Norden ab. Gleich schnell an Höhe gewinnend, geht es im Waldgebiet vorbei an ersten Felsbrocken aufwärts. Nach einer Serpentine – es werden noch unzählige folgen – folgt eine längere, teilweise fast ebene Hangquerung, die uns zum Budergraben (ca. 800 m) führt, der tief unter uns liegt. Nun im steilen, offenen Gelände geht es mit Blick zum Gamsplan (1.902 m, Abb. 4) und den darunter liegenden, noch von uns zu bewältigenden Hängen mit Hilfe von Serpentinen aufwärts. Nach etwa 45–60 Minuten gelangt man zu einer etwas engeren Stelle, bei der schwindelfreie Wanderer einen Blick in den tief unter uns liegenden Budergraben (Abb. 5) wagen können. Nun führt uns der Steig etwa 10–15 Minuten auf der linken Seite parallel zum Graben zum sehr steilen, felsigen Talschluss. Vorsichtig muss man auf einem schmalen Steig voller Schottersteine ein kurzes Steinkar (ca. 1.000 m, Abb. 6) überschreiten, dann warten bereits die nächsten Serpentinen auf uns.

Da es über uns im Felsengebiet jetzt kein Weiterkommen gibt, weicht der Steig – nun wieder zwischen Bäumen – etwas Richtung Osten aus und strebt – umgeben von Latschen – dem Gamsplan (Abb. 7) entgegen. Von hier hat man links auch einen Blick auf unser Gipfelziel, den Hagler (Abb. 8). Da man jetzt auf die weit herunterreichenden Felsen stoßen würde, geht es wieder nach Westen ins Waldgebiet (ca. 1.200 m). Mit vielen Serpentinen und in der Mitte des nun folgenden Wegteils mit einer längeren Querung des recht steilen Waldhangs von Osten nach Westen kommen wir nach ca. 2¼–2½ Stunden auf einer kleinen Wiese zu einer Weggabelung (1.430 m). Geradeaus (Richtung Nordosten) führt der markierte Steig zum Merkensteinbründl, zur Rettenbacher Höhe (mit einem rechts abzweigenden Steig zum Gamsplan) und schlussendlich auf den Hohen Nock.

Wir aber zweigen links auf einen nicht markierten, aber deutlich sichtbaren und im Großen und Ganzen gut begehbaren Steig ab, der nun im Mischgebiet aus Wald und Latschen weiter Richtung Norden aufwärts führt. Wieder gibt es eine Abfolge von Serpentinen und einer Hangquerung, die uns mit Blick zum Hagler (Abb. 9) weiter nach Westen führt. Unvermittelt endet der steile Aufstieg und plötzlich ist die felsige Gipfelregion des Hohen Nocks (Abb. 10) sichtbar. Kurz geht es eben dahin, dann gelangen wir – es geht leicht abwärts nun in Richtung Westen – in einen Graben. Durch diesen leicht aufsteigend erreichen wir nach ca. 30–35 Minuten von der Abzweigung vom Weg Nr. 463 eine erste, von Nordosten startende Aufstiegsoption (ca. 1.550 m), die uns bei Steinmanderln links den weiteren Aufstiegssteig auf den Hagler (ca. 20–25 Minuten) anzeigt. Diesen, der zuletzt über einen schmalen, langgezogenen Kamm (Abb. 11) zum Gipfelkreuz führt, dürfen aber nur absolut trittsichere und schwindelfreie Bergsteiger verwenden, zu steil, zu schmal und ausgesetzt ist der teilweise felsige und oft auch rutschige Weg. Da ist es besser, noch ein paar Minuten weiter durch den Graben zu wandern und die zweite, um einiges einfachere Aufstiegsoption, die durch Latschengebiet führt, zu wählen. Nach rund 3,0–3½ Stunden, in denen man ca. 1.050 Hm bewältigt hat, kann man sich beim Gipfelkreuz des Haglers an einem sehr schönen Rundblick erfreuen: Im Süden und Westen vor uns das Tote Gebirge (Abb. 12), im Osten die Ennstaler Alpen und nördlich von uns die Gipfelkette des Sengsengebirges von West nach Ost mit dem Hochsengs, dem Rohrauer Größtenberg und natürlich dem Hohen Nock (Abb. 13).

Um wieder zum Ausgangspunkt dieser Tour zu gelangen, sollte man auf alle Fälle den Aufstiegsweg abwärts wandern. Der mögliche direkte Abstieg vom Hagler Richtung Süden ist sehr steil, felsig und erfordert auch die Zuhilfenahme der Hände. So wandern wir mit schönem Blick zuerst Richtung Norden zu den felsigen Gipfeln des Sengsengebirges und dann weiter mit Sicht zum Gamsplan in ca. 40–50 Minuten zurück zum markierten Weg. Weiter geht es dann auf dem Budergrabensteig mit Ausblick nach Süden (Abb. 14), im Anschluss den Grabenverlauf und kurz bevor man wieder Waldgelände erreicht mit Blick zum Warscheneck (Abb. 15) abwärts in ca. 1½–2,0 Stunden zurück zum Jagdhaus Rettenbach (Gesamtabstieg: ca. 2¼–2¾ Stunden). Vorsicht ist beim Abstieg vor allem bei der Querung des Steinkars geboten!
HM/Zeit:
Vom Parkplatz beim Jagdhaus Rettenbach über den Budergrabensteig auf den Hagler ca. 1.050 Hm in etwa 3,0–3½ Stunden (Aufstieg) bzw. ca. 2¼–2¾ Stunden (Abstieg).
Zeitraum:
Mai–Ende Oktober
Anforderungen:
Technisch größtenteils unschwierige, aber lange, anstrengende Tour – zuerst auf dem markierten Budergrabensteig und dann auf unmarkierten Steigen, die streckenweise recht steil sind. Bei der Überquerung des Steinkars und beim Auf- bzw. Abstieg am nordöstlichen Gipfelsteig auf den Hagler sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit notwendig.
Highlights:
Rundblick vom Gipfel des Haglers; immer wieder schöne Ausblicke unterwegs; der gut und sicher in einer großartigen Landschaft angelegte Budergrabensteig
Anfahrt:
Auf der Autobahn A 9 bis Abfahrt Windischgarsten, dort auf die Bundesstraße B 138 Richtung Windischgarsten abbiegen, nach wenigen Metern zweigt links eine Straße nach Rading ab: Auf dieser die Bahngleise queren, vorbei an einer Kletterwand und einigen Wohnhäusern bis zu einer Querstraße fahren. Dort rechts ins Tal abbiegen, über freies Gelände und weiter auf dem asphaltierten Hauptweg vorbei am beschilderten Wanderparkplatz (nicht verwenden!) wieder ins Waldgebiet fahren. Nach einem letzten, nicht mehr asphaltierten Straßenstück kommt man am Ende der ca. 5,0 km (von der Abzweigung von der B 138) langen Straße zum Parkplatz unweit des Jagdhauses Rettenbach.
Einkehr:
unterwegs keine Einkehrmöglichkeit, GH in Windischgarsten
Koordinaten Ausgangspunkt:
Referenzsystem ETRS89
Geogr. Länge/Breite: 14°18'44''/47°45'13''
Rechtswert (UTM): 448460 m (Zone: 33 N)
Hochwert (UTM): 5289170 m (Zone: 33 N)

BEV Plan:
ÖK50/4207


Rechtlicher Hinweis:
Auf alle bei den Wandertipps verwendeten Unterlagen (Texte, Bilder, Pläne etc.) besteht ein Copyright. Diese dürfen daher im gewerblichen Verkehr nur mit Genehmigung (bei Veröffentlichung und Vervielfältigung) verwendet werden.