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Großer Otter:
Ein erster höherer Vorposten der Wiener Alpen
Abb. 1
Auf der Fahrt Richtung Süden aus der Ebene im Osten Österreichs in die niederösterreichischen Berge sieht man schon knapp nach Wiener Neustadt wie einen ersten höheren, gut sichtbaren Vorposten die Otter-Berggruppe (Abb. 1) mit drei Gipfeln, dem Kleinen Otter (1.327 m), dem Mitterotter (1.297 m) und dem Großen Otter (1.358 m). Beim nachfolgend beschriebenen Wandertipp besteigt man aber nur den höchsten der drei Gipfel, von dem man – obwohl man sich noch weit unterhalb der Waldgrenze befindet – einen fast ungetrübten Rundblick genießen kann. Der Ausgangspunkt dieser schönen Rundwanderung befindet sich in Schlagl, einem Ortsteil der Gemeinde Raach am Hochgebirge. Dieser Namenszusatz lässt schon erahnen, dass man hier das Flachland endgültig verlassen hat und sich nun bereits im Bereich der Wiener Alpen befindet.

Um zum Ausgangspunkt zu gelangen, fährt man am besten von Gloggnitz über die Landstraße Richtung Otterthal/Kirchberg am Wechsel – vorbei an der gut erhaltenen Burg Wartenstein (765 m), die sich in Privatbesitz befindet und daher leider nicht besichtigt werden kann – etwa 4 km hinauf nach Schlagl. Unmittelbar nach dem Ortsschild biegt man rechts in eine Dorfstraße ab. Nach etwa 750 m, neben der Einfahrt zum Haus Schlagl 28 startet unsere Wanderung bei der Einmündung einer Forststraße von der linken Seite. Hier beginnt auch die Otter-Rundwanderung R 4, deren östlicher Ast uns später als Abstiegsweg dienen wird. Doch gleich vorweg: Trotz einer neuen, gelben Hinweistafel direkt am Ausgangspunkt (834 m) ist der Otter-Rundweg nicht markiert und nur dürftig beschildert, was schade ist! Wir marschieren aber von unserem Ausgangspunkt auf der hier noch asphaltierten Dorfstraße Richtung Westen, am Anfang auf der linken Seite von unserem gut sichtbaren Gipfelziel, dem Großen Otter (Abb. 2), begleitet. Schon bald geht die Dorfstraße in eine für den Verkehr gesperrte Sandstraße über. Stets leicht ansteigend geht es weiter, dann steht man bereits nach 15–20 Minuten vom Ausgangspunkt vor der Schanzkapelle (970 m, Abb. 3), die sich am Sattel zwischen Raach am Hochgebirge und dem Wallfahrtsort Maria Schutz befindet.

Wir zweigen genau gegenüber der Kapelle links Richtung Süden zum Alpengasthof Kummerbauerstadl ab. Nun folgt der interessanteste und wahrscheinlich auch schönste Abschnitt unserer Tour. Zunächst leicht bergab und dann in einem stetigen Auf und Ab öffnet sich der Wald immer wieder und bietet traumhafte Ausblicke nach Maria Schutz und zur Rax (Abb. 4) sowie zum benachbarten Sonnwendstein (Abb. 5). Auch der Schneeberg zeigt sich in seiner vollen Größe. Da der blau markierte Steig teilweise recht schmal und an einigen Stellen steinig entlang der steil in den Göstritzgraben fallenden Westhänge des Kleinen Otters verläuft, ist bei Nässe Trittsicherheit gefordert und speziell bei den waldlosen Aussichtsplätzen Schwindelfreiheit notwendig! Im weiteren Verlauf beginnt der Steig etwas anzusteigen. Kurz vor dem Alpengasthof Kummerbauerstadl (1.079 m, Abb. 6) verliert man jedoch wieder – nun aber auf breiterem Weg – etwas an Höhe. Nach etwa 45–50 Minuten von der Schanzkapelle steht man dann vor der einzigen Einkehrmöglichkeit auf unserer Tour.

Nach einem weiteren nur sehr kurzen Abstieg auf der asphaltierten Zufahrtsstraße von Trattenbach beginnt nun bei einer links abbiegenden, unmarkierten Forststraße in Richtung Osten der eigentliche Aufstieg auf den Großen Otter. Stets angenehm ansteigend geht es weiter und man erreicht nach etwa 30–35 Minuten vom Alpengasthof Kummerbauerstadl eine Forststraßen-Querung (ca. 1.220 m). Wir wandern geradeaus weiter, hier endet nun unsere Forststraße und geht am unteren Ende einer großen Wiese in einen breiten Weg über. Auf Höhe einer Jagdhütte mündet – leicht zu übersehen – von links der westliche Ast der Otter-Rundwanderung in unseren Weg. Wie schon erwähnt: ohne Markierung und Wegweiser! Wir wandern zum östlichen Ende der Wiese, stets dem vor uns befindlichen Gipfelaufbau des Großen Otters (Abb. 7) entgegen. Im Wald wird unser Weg dann durchwegs sehr steil und führt uns – mit Blick zum Hochwechsel im Süden – auf eine weitere Wiese. Nach der Querung eines Weges geht es nun im offenen Gelände auf einem Wiesensteig in einem nach links führenden Bogen zur höchsten Stelle des Großen Otters. Schon nach wenigen Schritten ist das Gipfelkreuz (Abb. 8) sichtbar, das auf einem schmalen, steilen, aber nicht sehr hohen Bergkamm steht, der nun noch erklommen werden muss. Für den – mit allen Gegensteigungen – knapp 650 Hm (Höhenmeter) umfassenden Aufstieg vom Ausgangspunkt in Schlagl zum Gipfel des Großen Otters benötigt man rund 2,0–2¼ Stunden. Hier sollte man nun den traumhaften Rundblick genießen. Besonderer Blickfang sind dabei natürlich Schneeberg und Rax im Norden (Abb. 9) und der Hochwechsel im Süden. Richtung Osten reicht der Blick weit in das Flachland im Osten Österreichs (Abb. 10).

Für den nun folgenden Abstieg ist bei nassen Bodenverhältnissen für ein kurzes Stück Trittsicherheit absolut notwendig und speziell bei den ersten 150 Hm hilft guter Orientierungssinn. Zunächst geht es vom Gipfel in Richtung Osten auf einem grasbewachsenen Steig am schmalen Bergkamm abwärts. Wieder im Wald, wird unser weiterhin grasbewachsener Weg erneut breiter, dafür aber steiler. Nach rund 5 Minuten quert man eine Forststraße, es geht nun – man hält sich halblinks – mäßig absteigend zu einer Wegkreuzung, bei der wir uns rechts halten. Nach etwa 200 m biegt links – leider ohne Wegweiser – ein schmaler Steig ab, der – den steilen Hang in Richtung Westen querend – an manchen Stellen etwas abschüssig ist und bei Nässe rutschig sein kann: Hier ist Trittsicherheit gefordert. Nach etwa 20–25 Minuten vom Gipfel des Großen Otters mündet dieser Steig in eine Forststraße (ca. 1.200 m), in die wir rechts einbiegen. Zu unserer großen Überraschung steht hier plötzlich eine gelbe Hinweistafel!

Ab jetzt wandert man am besten stets auf dieser breiten Forststraße abwärts. Der Weg ist zwar langwierig und mit vielen Serpentinen und Kurven gespickt, doch sollte man als Ortsunkundiger keinesfalls die zahlreichen abzweigenden Wege und Forststraßen oder gar vermeintliche Abkürzer ausprobieren, denn sie führen meist nicht zum erhofften Ziel! Immer wieder gibt es unterwegs Lücken im Wald mit Ausblicken zu Schneeberg (Abb. 11) und Rax sowie zur Burg Wartenstein (Abb. 12). Nach rund 1¼–1½ Stunden vom Gipfel des Großen Otters erreicht man wieder den Ausgangspunkt in Schlagl. Auf den letzten Metern gibt es Richtung Osten noch einen schönen Blick nach Raach am Hochgebirge (Abb. 13).
HM/Zeit:
Von Schlagl über den Alpengasthof Kummerbauerstadl auf den Großen Otter mit allen Gegensteigungen knapp 650 Hm in 2,0–2¼ Stunden. Für den Abstieg über den östlichen Ast der Otter-Rundwanderung benötigt man rund 1¼–1½ Stunden.
Zeitraum:
Mitte März-November (je nach Schneelage)
Anforderungen:
Technisch einfache Tour, größtenteils auf Forststraßen und breiten Wegen. Beim Aufstieg zwischen Schanzkapelle und Alpengasthof Kummerbauerstadl ist an manchen Stellen Schwindelfreiheit und bei Nässe Trittsicherheit erforderlich. Beim Abstieg benötigt man im oberen Teil Orientierungssinn und für ein kurzes, etwas abschüssiges Steigstück bei Nässe ebenfalls Trittsicherheit.
Highlights:
Rundblick vom Großen Otter und schöne Ausblicke speziell in die Semmering-Region, unterwegs auf Schneeberg und Rax; die gut erhaltene Burg Wartenstein, die aber leider nicht besichtigt werden kann
Anfahrt:
Von Wien (A2, S6) und von Graz (A9, S35, S6) bis zur Ausfahrt Gloggnitz. Von dort bei der Ampel geradeaus weiter, nach etwa 500 m links Richtung Gloggnitz und nach weiteren 100 m rechts Richtung Otterthal/Kirchberg am Wechsel abbiegen. Auf der gut ausgebauten Landstraße etwa 4 km hinauf bis Schlagl fahren. Unmittelbar nach dem Ortsschild biegt man rechts in eine Dorfstraße ab. Nach etwa 750 m neben der Einfahrt zum Haus Schlagl 28 bei der Einmündung einer von links kommenden Forststraße stehen ein paar Parkplätze zur Verfügung.
Einkehr:
Alpengasthof Kummerbauerstadl, Gasthäuser in Schlagl (Bogensporthotel Westermayer) und in Raach im Hochgebirge
Koordinaten Ausgangspunkt:
Referenzsystem ETRS89
Geogr. Länge/Breite: 15°54‘35‘‘/47°38‘26‘‘
Rechtswert (UTM): 568340 m (Zone: 33 N)
Hochwert (UTM): 5276750 m (Zone: 33 N)

BEV Plan:
ÖK50/4212


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