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Mandling:
Parallel zum Biedermeiertal
Abb. 1
Berühmte österreichische Künstler wie der Dramatiker Ferdinand Raimund und die beiden Maler Friedrich Gauermann und Leopold Kupelwieser haben in der Zeit des Biedermeier (1815 - 1848) im Piestingtal gelebt und gewirkt. Daher wird das Tal, das in Gutenstein im Westen beginnt, durch die Gutensteiner Alpen verläuft und im Wiener Becken nördlich von Wiener Neustadt endet, gerne auch als "Biedermeiertal" bezeichnet. Eine der prägenden Berggestalten dieser Region, die nördlich der Piesting gelegene Mandling (Abb. 1), ist Ziel des nachfolgenden Wandertipps. Bei dieser längeren Tour, bei der Ausgangspunkt und Endpunkt etwa 4 km voneinander entfernt sind, werden gleich zwei Gipfel, die Hohe Mandling und die Vordere Mandling, bestiegen. Die Strecke zwischen Waldegg (Endpunkt) und Reichental (Ausgangspunkt) kann am besten mit zwei PKWs oder mit der regelmäßig verkehrenden Piestingtalbahn zurückgelegt werden.

Die Wanderung startet bei der Bahnhaltestelle Miesenbach-Waidmannsfeld im kleinen Ort Reichental (405 m), wo auch einige Parkplätze zur Verfügung stehen. Mit Blick zu den steilen Waldhängen der Mandling (Abb. 2) wird Richtung Norden die stark befahrene Bundesstraße (B 21) überquert. Danach biegt man links in die parallel verlaufende Ortsstraße ein, die man aber nach etwa 50 m bergwärts wieder verlässt. Nach einem gemütlich ansteigenden Wegstück folgt gleich ein sehr steiler Anstieg, bevor unser teilweise neu trassierter Steig mit Hilfe von Serpentinen weiter an Höhe gewinnt. Wie abwechslungsreich der Aufstieg auf die Hohe Mandling ist, erlebt man bereits zu Beginn unserer Tour: Auf einen reinen Föhrenwald folgt ein Mischwald, steile, steinige Wegteile mit kleineren Felsgruppen werden von gut begehbaren Flachstücken auf Waldböden abgelöst. Immer wieder laden Lücken im Wald zu Ausblicken in die nahe Schneeberg-Region (Abb. 3) ein. Schon etwas weiter oben (ca. 800 m) wendet sich der Steig kurz in Richtung Westen und man erreicht die steil abfallenden Süßwände. Hier lohnt es sich, unseren Steig kurz zu verlassen und die Aussicht Richtung Pernitz und zur westlich von uns gelegenen niederösterreichischen Bergwelt (Abb. 4) sowie natürlich wieder zum mächtigen Schneeberg (Abb. 5) zu genießen!

Dann folgt der anspruchsvollste Teil unserer Wanderung: Ein schmaler, felsbesetzter Kamm (Abb. 6) muss überquert werden, wobei hier vor allem bei nassen Wegverhältnissen Trittsicherheit notwendig ist. Zur Abwechslung folgt danach gleich eine eher flache, einfach zu begehende Wegstrecke, bei der man durch Wald und Wiesen wandert. Bei einer Wegquerung mündet von rechts der Steig, der von Ortmann/Pernitz auf die Hohe Mandling führt, in unseren Aufstiegsweg. Nochmals wird es etwas steiler, dann wieder flacher und man erreicht nach etwa 1¾-2,0 Stunden, in denen man vom Ausgangspunkt ca. 570 Hm (Höhenmeter) bewältigt hat, am oberen Rand einer großen Wiese (Abb. 7) den Gipfel der Hohen Mandling (967 m). Ein neu errichtetes Gipfelkreuz (Abb. 8) befindet sich etwas unterhalb der höchsten Stelle neben einem Rastplatz.. Schlecht informierte Wanderer erleben hier möglicherweise eine herbe Enttäuschung: Die auf alten Wegweisern noch angekündigte und bei Wanderern früher recht beliebte Berndorfer Hütte ist im Jahr 2007 abgebrannt und wurde nicht mehr aufgebaut. Das bedeutet, dass es auf der gesamten Tour leider keine Einkehrmöglichkeit gibt.

Wir setzen unsere Wanderung zunächst kurz Richtung Süden und ab einer Wegkreuzung Richtung Osten - parallel zum Piestingtal - fort. Zu Beginn auf breitem Weg nur mäßig absteigend, wird es zunehmend steiler. Gegen Ende des kurzzeitigen Abstiegs wird der Weg auch schmäler und auf dem nun lehmigen Steig ist es bei Nässe unter Umständen auch rutschig. Nahezu ununterbrochen sieht man unser nächstes Gipfelziel, die Vordere Mandling (Abb. 9), vor uns. Nach etwa 30 Minuten von der Hohen Mandling erreicht man einen Sattel (712 m) mit einer Forststraßenquerung. Geradeaus wandernd wird im nächsten Wegstück der Kleine Rosenkogel (ca. 765 m) - zuerst auf einer Forststraße und dann weiter auf breitem Weg - überschritten. Hier genießt man immer wieder schöne Ausblicke Richtung Norden (Abb. 10). Entlang der Südhänge des Großen Rosenkogels kommt man nach ca. 60 Minuten von der Hohen Mandling zur nächsten Wegkreuzung. Links geht es nach Berndorf, wir aber halten uns rechts - nun in Richtung Süden - und steigen wieder kurz in einen Sattel ab, bei dem man rechts nach Oed absteigen und damit die Tour verkürzen könnte. Wir aber bleiben noch etwa 15 Minuten auf der leicht ansteigenden Forststraße, bis wir einen Holzablageplatz (ca. 775 m) erreichen. Wer schon müde ist, bleibt auf der Forststraße und steigt direkt über Karlreit nach Waldegg ab.

Konditionsstarke Wanderer biegen rechts Richtung Süden auf den - teilweise nur ungenügend - blau markierten Weg ab. In diesem Abschnitt hilft guter Orientierungssinn. Nach etwa 5-10 Minuten verlässt halbrechts ein schmaler Steig den Weg und führt zum Teil sehr steil bergauf. Oben auf dem Gipfelkamm angekommen, geht es noch ein kurzes Stück Richtung Süden. Nach 1½-2,0 Stunden von der Hohen Mandling, in denen man mit der Überschreitung des Kleinen Rosenkogels und dem Gipfelanstieg weitere 280 Hm bewältigt hat, erreicht man den im Wald liegenden Gipfel der Vorderen Mandling (925 m). Dieser ist nur mit einem Steinmann gekennzeichnet (Abb. 11).

Zum Abstieg nach Waldegg wandert man weiter am schmalen Gipfelkamm Richtung Süden. Bald schon erreicht man eine Wiese mit Blick Richtung Osten nach Wiener Neustadt (Abb. 12), bei der Querung der Wiese hilft wieder guter Orientierungssinn.. Es geht nun auf breitem, blau markiertem Weg leicht ansteigend weiter, vorbei an einer zweiten Erhebung im Bereich der Vorderen Mandling. In einem langgezogenen Halbkreis steigen wir kontinuierlich zum Kreuzungspunkt (ca. 720 m) mit dem direkten - rot markierten - Abstiegsweg nach Waldegg ab, den wir nach ca. 45 Minuten vom Gipfel der Hohen Mandling kurz nach einer größeren Wiese erreichen. Der nun folgende, hauptsächlich im Waldgelände führende finale Abstieg nach Waldegg, der etwa 40-45 Minuten in Anspruch nimmt, ist teilweise sehr steil und teilweise auch steinig. Unten im Tal angekommen, wendet man sich auf der Ortsstraße nach rechts und geht - vorbei am Gemeindeamt - in etwa 5-10 Minuten zum Bahnhof von Waldegg, wo unsere lange, aber äußerst abwechslungsreiche Wanderung endet.
HM/Zeit:
Auf der gesamten Tour, die etwa 5,0-5½ Stunden in Anspruch nimmt, sind mit allen Gegensteigungen ca. 850 Hm zu bewältigen.
Zeitraum:
März bis Anfang Dezember (je nach Schneelage)
Anforderungen:
Im Großen und Ganzen technisch einfache, aber längere Tour. Aufstieg auf die Hohe Mandling (bei Nässe teilweise Trittsicherheit notwendig!) bzw. Abstieg von der Vorderen Mandling (guter Orientierungssinn hilfreich) sind teilweise sehr steil und steinig.
Highlights:
Wundervolle, abwechslungsreiche Landschaft in der Region der Gutensteiner Alpen; es bieten sich immer wieder schöne Ausblicke, vor allem in die nahe Schneeberg-Region.
Anfahrt:
Auf der Bundesstraße B 21 (Verbindung Südautobahn A 2 nach Mariazell) entweder bis nach Waldegg fahren und dort zum Bahnhof abbiegen oder bis zur Bahnhaltestelle Miesenbach-Waidmannsfeld in Reichental fahren. Die Strecke (ca. 4 km) zwischen Ausgangspunkt (Reichental) und Endpunkt (Waldegg) kann am besten mit der regelmäßig verkehrenden Piestingtalbahn bzw. mit einem zweiten PKW zurückgelegt werden.
Einkehr:
Unterwegs keine Einkehrmöglichkeit; Gasthäuser in Waldegg und in Reichental


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