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Rifflsee/Taschachtal/Pitztaler Gletscher:
Bergwandern in höchsten Höhen
Abb. 1
Früher war das Tiroler Pitztal, das sich von Imst im westlichen Inntal etwa 30 Kilometer in Richtung Süden erstreckt, nur wenigen bekannt. Doch seit den großen Ski-Erfolgen des mehrfachen Olympiasiegers und Weltmeisters Benni Raich hat sich das geändert. Das Pitztal ist aber nicht nur für Skifahrer ein Eldorado, auch Bergwanderer kommen voll auf ihre Rechnung. Mittelberg, das letzte Dorf im schmalen Pitzetal, wie das Tal eigentlich heissen sollte, ist Ausgangspunkt zahlreicher hochalpiner Wanderungen, bei denen man stets die mächtigen Gletscher der Ötztaler Alpen vor sich hat. Pitzetal deshalb, da der Bach, der das Pitztal durchfließt, Pitze und nicht Pitz heißt.

Die nachfolgend beschriebene Tour führt vom Parkplatz in Mittelberg (1.740 m) zuerst steil hinauf zum idyllischen Rifflsee (2.230 m, Abb. 1)), von dort ein Stück auf dem Fuldaer Höhenweg taleinwärts, dann hinunter ins Taschachtal (ca. 2.000 m) und dort weiter Richtung Talschluss wieder aufwärts bis zum mächtigen Taschachhaus (2.434 m). Zurück geht's dann direkt durch das Taschachtal zum Ausgangspunkt.

Mittelberg und der kleine Parkplatz - der große Autoabstellplatz westlich davon ist nur für Benützer der Stollenbahn "PitzExpress" - liegen in unmittelbarer Nähe zur Busumkehrstelle und Haltestelle im Osten des Pitz(e)tals. Vom Parkplatz geht es zuerst in westlicher, dann in südlicher Richtung (Hinweistafel: Steig zum Taschachhaus) vorbei an einer Hotel-Pension zum Wald. In diesem wandert man nun wieder Richtung Westen leicht aufwärts und passiert etwa 25 Hm (Höhenmeter) oberhalb die Talstation des Pitz-Expresses. Dann wendet sich der Steig langsam ins Taschachtal. In einem kurzen Auf und Ab erreicht man nach etwa 25-30 Minuten bei einer Brücke über die Taschach den taleinwärts führenden Fahrweg. Wir aber überqueren den Fluss und steigen entweder "wild" rechts neben einem Zaun etwa 20 Hm zu einem weiteren Fahrweg auf, der links zum Rifflsee führt, oder machen eine erste Rast auf der bewirtschafteten Taschachalm (4-5 Gehminuten von der Brücke).

Von dort wieder in südlicher Richtung (taleinwärts) folgen wir nach etwa 100-150 Metern der Hinweistafel zum Rifflsee und wandern auf einem Fahrweg in Serpentinen steil aufwärts, queren auf einer Brücke den vom Rifflsee zum Taschachbach herunterstürzenden, kaskadenartigen Wasserfall (Abb. 2) und bleiben bis zur nächsten Hinweistafel auf dem Fahrweg. Nach knapp einer halben Stunde Wegzeit von der Taschachalm biegen wir links auf einen Steig (Nr. 8) ab, der uns eher gemütlich ansteigend teilweise mit beeindruckender Sicht ins Taschachtal und zum Taschach-Gletscher (Abb. 3) in weiteren 45 Minuten zum See führt. Wer es eilig hat, kann aber auch auf dem Fahrweg bleiben, der zwar ohne Aussicht (bis auf die herunterstürzenden Wassermassen des Wasserfalls) und steil, aber nicht steinig, lehmig und ohne die zahlreichen kleineren zu überquerenden Wasserläufe - wie auf dem Steig - hinaufführt. Nach insgesamt rund 1 ¾ Stunden steht man dann vor dem hellgrünen Rifflsee, der vom Gletscherwasser des Rifflferners und des Seekarlesferners gespeist wird. Rund 100 Hm oberhalb des Sees steht die Rifflseehütte, zu der man in rund 15 Minuten auf einem breiten und bequemen Weg aufsteigen kann.

Wir aber verlassen das Plateau mit dem Rifflsee und setzen unsere Tour in südlicher Richtung auf dem Fuldaer Höhenweg (Nr. 10, Abb. 4) fort. Nach einem kurzen Aufstieg, bei dem man problemlos eine kleine Felsengruppe durchwandert, öffnet sich wieder der Blick taleinwärts ins Taschachtal. Nun beginnt der schönste Teil der Tour: Fast eben, nur durch kleine Anstiege unterbrochen, führt ein gut ausgebauter Steig etwa 350-400 Hm über dem Talgrund Richtung Süden. Spektakulär dabei natürlich der Ausblick Richtung Talschluss und die darüberliegenden Gletscher. Nach ca. 45-60 Minuten vom Rifflsee überquert man ohne Probleme drei Bäche und kommt zu einer Abzweigung, bei der links ein mit blauen Farbpunkten markierter Steig abwärts führt. Da der Fuldaer Höhenweg in weiterer Folge am Weg zum Taschachhaus mit Kettensicherung durch felsiges und sehr steiles, abschüssiges Gelände führt, empfehlen wir ungeübten Bergwanderern hier den Abstieg. Der blau markierte Steig ist zwar auch nicht ganz einfach zu begehen, da ihn nur wenige benützen und er an manchen Stellen sehr schmal (Trittsicherheit ist hier empfehlenswert) und kurz vor dem Erreichen des Talbodens auch sehr steil ist. Aber er ist trotzdem technisch um vieles leichter zu bewältigen als der weitere Fuldaer Höhenweg. Nach etwa 45-60 Minuten, in denen man von ca. 2.300 m auf knapp unter 2.000 m absteigt und sich dabei größtenteils taleinwärts bewegt, erreicht man den Taschachbach, den man auf einer Brücke - die man erst sehr kurz davor sieht - überquert. Nun geht es fast eben in ca. 15-20 Minuten bis zur Talstation einer Materialseilbahn (2.043 m). Hier endet der breite Fahrweg (Nr. 9), der vom Pitztal hierher führt. Man quert auf einer weiteren Brücke den Bach und steigt nun etwa 80-100 Hm von uns gesehen auf der rechten Talseite auf einen langgezogenen Kamm auf. Von hier hat man bereits einen wundervollen Blick auf den mächtigen Taschachferner auf der gegenüberliegenden, östlichen Seite und auf die Wildspitze (3.774 m) im Hintergrund. Für den teilweise steileren, aber einfach begehbaren Aufstieg von der Talstation der Materialseilbahn (auch Stützpunkt des deutschen Alpenvereins) zum Taschachhaus (2.434 m, Abb. 5) sollte man für rund 400 Hm nochmals rund eine Stunde Gehzeit einplanen. Belohnt wird man mit einem kaum überbietbaren Blick in die Gletscherwelt unterhalb der Hochvernagtspitze (3.535 m). Auf unserem bisherigen Weg haben wir in ca. 4 ½-5,0 Stunden mit Gegensteigungen rund 1.050 Hm bewältigt. Schneller und natürlich auch um vieles weniger anstrengend ist der direkte Aufstieg von Mittelberg durch das Taschachtal zum Taschachhaus.

Der Rückweg zum Ausgangspunkt in Mittelberg führt zuerst zur Talstation der Materialseilbahn (45 Minuten) und dann in rund 60-75 Minuten die lange Fahrstraße das Taschachtal talauswärts (Abb. 6) bis zur Abzweigung des Steigs zum Parkplatz, von dem man am Beginn der Wanderung aufgestiegen ist. Von hier entweder wieder in knapp 30 Minuten auf diesem Waldsteig zurück zum Parkplatz bzw. zur Bushaltestelle oder wieder zur Taschachalm. Von dort zuerst ein kurzes Stück weiter auf der Fahrstraße, dann rechts steil über eine Wiese hinunter zum Parkplatz der Stollenbahn und Richtung Osten zum Ausgangspunkt. Im Gegensatz zum langen Aufstieg benötigt man für den Rückweg nur 2,0-2 ½ Stunden. Dazu noch ein Tipp: Bei der Talstation der Materialseilbahn im Taschachtal stehen Mountainbikes zur Verfügung, die man aber im Voraus reservieren muss und mit denen man schnell und bequem talauswärts radeln kann.

Wer sich diese lange und anstrengende Wanderung (6 ½-7 ½ Stunden) nicht antun möchte oder wer einen weiteren Tag zur Verfügung hat, sollte mit der Stollenbahn in rund 10 Minuten die rund 1.100 Hm zum Mittelbergferner (Pitztalgletscher, Abb. 7) hinauffahren. Speziell im Sommer ist der erste Blick, wenn man die Bergstation des "Pitz-Expresses" (2.841 m) verlässt, vielleicht nicht so toll. Teilweise "verkleidete" Gletscher, um sie vor Sonne und Wärme zu schützen, und diverse Baustellen, um noch mehr Aufstiegshilfen für den Winter zu errichten, wirken im ersten Moment ernüchternd. Doch mit der Fahrt mit einer Seilbahn bis auf knapp 3.300 m oder einer vergleichsweisen kurzen Bergtour kann man diesem Blick entfliehen. Gleich beim Ausgang der Bergstation weist eine Tafel den Weg auf den 3.159 m hohen Mittagskogel. Die ersten rund 230 Hm am Steig Nr. 11 bis zum Sattel (ca. 3.075 m) sind technisch sehr einfach, man muss auch im Hochsommer höchstens das eine oder andere kleinere Rest-Schneefeld queren. Nur die letzten knapp 100 Hm zum Gipfel sollten nur geübte Bergsteiger wagen. Doch schon beim Aufstieg bzw. vor allem beim Abstieg zum/vom Sattel gibt es tolle Blicke auf die umliegenden Gletscher und auf die Wildspitze (3.774 m, Abb. 8), den zweithöchsten Berg Österreichs. Vom Sattel hat man einen schönen Blick hinunter ins Pitztal, ins Taschachtal und zum grünen Rifflsee (Abb. 9). Einzig und alleine die Höhenlage von über 3.000 Meter darf man bei diesem Aufstieg nicht unterschätzen.
HM/Zeit:
Von Mittelberg über den Rifflsee zum Taschachhaus mit Gegensteigungen rund 1.050 Hm in ca. 4 ½-5,0 Stunden (Aufstieg) und über das Taschachtal retour in ca. 2,0-2 ½ Stunden (Abstieg). Wanderung von der Bergstation des „Pitz-Expresses“ zum Sattel vor dem Gipfelanstieg des Mittagskogels etwa 230 Hm in ca. 45 Minuten-1,0 Stunde (Aufstieg) bzw. ca. 30-45 Minuten (Abstieg).
Zeitraum:
Mai-Oktober (je nach Schneelage)
Anforderungen:
Sehr lange und anstrengende, aber technisch größtenteils einfache Tour auf meist gut markierten, aber teilweise steilen Wegen und Steigen. Vorsicht am wenig begangenen Steig vom Fuldaer Höhenweg hinunter ins Taschachtal! Der Aufstieg von der Bergstation des „Pitz-Expresses“ zum Sattel vor dem Gipfelanstieg des Mittagskogels ist einfach, jedoch sollte man die Höhenlage beachten!
Highlights:
Eindrucksvolle Gletscherblicke, Wasserfall am Beginn des Taschachtals, Rifflsee, Fuldaer Höhenweg, Blick zur Wildspitze, dem zweithöchsten Berg Österreichs.
Anfahrt:
Von der Autobahn (A 12) - Abfahrt Imst-Pitztal - auf einer gut ausgebauten Landstraße Richtung Süden ca. 38 km ins Pitztal bis nach Mittelberg fahren, dann links halten, wo sich am Ende der Straße einige Parkplätze befinden. Auf den Parkplätzen des „Pitz-Expresses“ nur dann parken, wenn man mit diesem in die Gletscherregion hinauffährt!
Einkehr:
Rifflseehütte (kurzer Umweg), Taschachhaus, Taschachalm bzw. Restaurant bei der Bergstation des „Pitz-Expresses“.


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