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Schießeck/Hoher Zinken:
Gipfeltour in den Wölzer Tauern mit fantastischer Aussicht
Abb. 1
Langgezogene, sanft ansteigende Bergrücken, die oberhalb der Waldgrenze liegen und im Sommer als Almen dienen, prägen das Landschaftsbild der Wölzer Tauern (Abb. 1). Vor allem die im Osten liegenden Ausläufer dieser Gebirgsgruppe, die Teil der Niederen Tauern ist, eignen sich ideal für familienfreundliche Wanderungen mit toller Aussicht. Rege Bautätigkeit im Wintersportgebiet Lachtal – es wurden nicht nur zahlreiche Liftanlagen und ein Speichersee (Tanzstattsee) zur Beschneiung der vielen Pisten, sondern auch großflächige Appartement-Siedlungen gebaut – hat den Charakter dieser Region nachhaltig verändert. Zusätzlich wurde im Umfeld der Klosterneuburger Hütte, der einzigen Einkehrmöglichkeit während der hier beschriebenen Rundtour, ein weithin sichtbarer Windpark errichtet. Da man den verbauten Bereich aber schnell hinter sich lassen kann, können Touren im östlichen Teil der Wölzer Tauern zu einem wahren Wandergenuss werden.

Der Ausgangspunkt der langen Rundtour, die sich aber unterwegs immer wieder abkürzen lässt, liegt in der Gemeinde Lachtal bei den großen Parkplätzen unterhalb einer Kapelle (1.570 m) nahe dem Hotel Lachtalhaus und einer Liftanlage. Von dort geht es zu Beginn rund 5–10 Minuten und 60 Hm (Höhenmeter) auf der Hauptstraße neben dem Lachtalbach abwärts. Kurz nach der Zufahrtsstraße zur links liegenden Bruckerhütte zweigt rechts bei einer Brücke (ca. 1.510 m) ein markierter Wanderweg ab, in den wir einbiegen. Nach Querung des Lachtalbaches geht es auf einem Fahrweg über offenes Gelände in Serpentinen aufwärts bis zu einem Wohnhaus. Dann erreicht man eine kurze Waldpassage, die man in Richtung Südwesten durchwandert. Etwa 100 m nach einer Wendung Richtung Norden zweigt unser markierter Weg zuerst links und gleich wieder rechts ab. Hier steigen wir nun etwas steiler zu einer Alm mit schönem Blick auf das Lachtal (Abb. 2) auf. Es folgt eine kurze Abwärtspassage, an deren Ende wir wieder eine Forststraße erreichen, in die wir links einbiegen. Auf dieser geht es jetzt recht steil aufwärts. Schon bald endet die Forststraße und wir zweigen – wieder links – auf einen im Wald sehr steil ansteigenden Steig ab. Nach dem Überschreiten eines Zaunes halten wir uns links und steigen auf einem schmalen Steig – weiterhin steil – rechts vom Zaun kontinuierlich weiter aufwärts. Nach einer Rechtswendung Richtung Westen nähern wir uns langsam offenem Almgelände. Etwas weiter oben gibt es Richtung Norden einen schönen Blick auf die steilen Grashänge des Hohen und des Niederen Zinken (Abb. 3), die wir später auf unserer Tour erreichen werden. Jetzt aber wandern wir gemütlich auf das schon bald zu erblickende Gipfelkreuz unseres ersten Ziels, der Rossalm (1.894 m, Abb. 4), zu, das wir nach etwa 75–90 Minuten und knapp 400 Hm vom Ausgangspunkt im Lachtal erreichen.

Wie fast auf der gesamten Wegstrecke und von allen Gipfeln, die wir auf unserer Rundtour besteigen, kann man sich auch hier an einer prachtvollen Aussicht erfreuen, die große Teile der steirischen Bergwelt, aber auch der angrenzenden Bundesländer umfasst. Selbst der Triglav in Slowenien im Süden und die Gletscher der östlichen Hohen Tauern mit der Hochalmspitze im Westen sind bei guter Sicht klar zu erkennen.

Wir setzen – stets rechts neben dem Zaun – unsere Wanderung ein kurzes Stück eben und dann rund 25 Hm abfallend zu einer im Sattel gelegenen Wegkreuzung (1.869 m) mit einem Kreuz fort. Nach links geht es nach Oberwölz, der kleinsten Stadt der Steiermark, die unserer Berggruppe auch ihren Namen verliehen hat, und von rechts stößt ein einfach zu gehender, alternativer Wanderweg vom Lachtal zu unserer Route. Schon von der Rossalm ist der nun folgende, längere Wegabschnitt bestens zu überblicken (Abb. 5). In einem langen Rechtsbogen geht es angenehm ansteigend über Almböden des Knappensteins hinauf Richtung Schießeck, unserem nächsten Gipfelziel. Meist behindert der links parallel zu uns verlaufende, niedrige und an wenigen Stellen mit Felsblöcken durchsetzte Bergkamm die Sicht Richtung Westen. Doch etwa bei der 2.000-Meter-Marke öffnet sich der Blick zum Greim, den anderen Gipfeln der westlichen Niederen Tauern und zu den östlichen Ausläufern der Hohen Tauern (Abb. 6). Unser Wiesenpfad wird danach ein bisschen steiler, etwas weiter oben zweigt rechts ein – unsere Tour abkürzernder – Steig zur Grillerlucke ab. An der Stelle, an der wir nach etwa 60–75 Minuten von der Rossalm wieder flacheres Almgebiet und einen Wirtschaftsweg erreichen – ca. auf 2.120 m, – ist die Entscheidung zu treffen, wie man das vor uns liegende Schießeck weiter besteigt: Am besten verlässt man rechtsseitig die markierte Route und steigt "wild", aber angenehm ansteigend Richtung Norden in ca. 30–35 Minuten über die Wiesen zur höchsten Stelle (2.275 m ) auf, die durch einen riesigen Steinmann markiert ist. Das einzige Hindernis könnte im Sommer mitten beim Aufstieg ein Stacheldrahtzaun sein. Für den gesamten Aufstieg von der Brücke unterhalb der Bruckerhütte über die Rossalm auf das Schießeck, bei dem etwa 800 Hm zu bewältigen sind, benötigt man rund 2¾–3¼ Stunden. Als kleine Draufgabe kann man von hier mit kurzer Gegensteigung beim Hin- und Rückweg (zusätzlich ca. 50 Hm und 30 Minuten) zum etwa gleich hohen Nordgipfel (Abb. 7), auf dem ein Gipfelkreuz steht, wandern. Trittsichere Wanderer mit guter Kondition können am Fuße des Gipfels des Schießecks auf dem Wirtschaftsweg bleiben, zu einem bereits sichtbaren, neu errichteten Almhaus mit Teichanlage wandern und von dort in einem stetigen Auf und Ab an der steil abfallenden Westseite des Schießecks weiter zu einer Weggabelung marschieren.. Rechts abzweigend führt von hier ein steiniger, steil aufwärts führender Steig auf den Nordgipfel und von dort auf die höchste Stelle des Schießecks.

Vom Schießeck geht es nun auf einem Wiesenpfad ca. 130 Hm in etwas mehr als 15 Minuten Richtung Südosten hinab in einen Sattel namens Grillerlucke (2.147 m) und geradeaus auf breitem Weg angenehm ansteigend – vorbei an einem kleinen Tümpel mit Blick zurück zum Schießeck (Abb. 8) – in ebenfalls ca. 15 Minuten hinauf zum Gipfelkreuz des Hohen Zinkens (2.222 m). Von dort sind es wenige Schritte hinunter zur Bergstation eines nur im Winter betriebenen Lifts – hier zweigt rechts ein direkter Abstiegsweg ins Lachtal ab – und optional wieder hinauf zum nächsten Gipfelkreuz. Vom Kleinen Zinken sieht man dann hinunter zum Tanzstattsee und zum Windpark (Abb. 9). Man kann aber den Niederen Zinken auch links umwandern und jetzt auf etwas steinigerem Weg Richtung Osten zum Kleinen Zinken (2.135 m) absteigen. Bevor man diesen erreicht, wendet sich der nun leicht sandige und steinige Steig nach rechts Richtung Süden und führt abwechselnd steiler abfallend und fast eben zum Speichersee, von dem man tolle Aufnahmen mit dem Zirbitzkogel im Hintergrund (Abb. 10) machen kann. Links am See vorbei führt eine Sandstraße hinab zu einer alten Holzkapelle, der Tanzstatt-Kapelle (1.907 m). Nochmals ist über Wiesen eine kleine Gegensteigung hinauf zum Schönberg (1.943 m) zu absolvieren, auf dem eine neue 6-Sesselbahn errichtet wurde, die auch an manchen Wochentagen im Sommer in Betrieb ist. Mit einem kurzen Abstieg erreicht man dann nach ca. 60 Minuten vom Hohen Zinken die bewirtschaftete Klosterneuburger Hütte (1.879 m, Abb. 11).

Um in ca. 45 Minuten ins Lachtal zurückzukehren, wandert man nun auf einem breiten Weg Richtung Süden, wobei dieser bald schon in einen weiteren Fahrweg, der von einer Sendeanlage kommt, mündet. Nach längerem Abstieg besteht – bereits wieder im Wald – kurz nach der ersten Serpentine die Möglichkeit, links auf eine unmarkierte, aber gut zu gehende Abkürzung abzuzweigen, die uns nach wenigen Minuten wieder zur Forststraße führt. Nach der nächsten Serpentine gibt es dann eine "offizielle" und markierte Abkürzung, die aber recht steil zu einigen Selbstversorgerhütten (Schönberghütte, Lachtalhütte) samt einem Teich abfällt. In weiterer Folge geht es teilweise auf der im Winter benützten Rodelbahn zu den ersten Häusern von Lachtal. Schon nach wenigen Schritten erreicht man eine der beiden "Hauptstraßen" der Gemeinde, wobei man dann über einen Verbindungsweg zum Ausgangspunkt unserer langen Rundtour zurückkehren kann. Für den gesamten Abstieg vom Schießeck mit den Gegensteigungen auf den Hohen Zinken bzw. den Schönberg sollte man etwa 2¼–2½ Stunden einplanen. Nach der Wanderung lohnt ein Besuch der neuen Kapelle von Lachtal, die so gebaut wurde, dass die Besucher bei einer Andacht durch große Fenster ständig die Bergregion – mit großen Teilen unseres Abstiegsweges – im Blick (Abb. 12) haben.
HM/Zeit:
Von den Parkplätzen nahe der neu errichteten Kapelle im Lachtal über die Rossalm auf das Schießeck mit allen Gegensteigungen auf der gesamten Rundtour ca. 900 Hm in ca. 2¾–3¼ Stunden beim Aufstieg bzw. über den Hohen Zinken und den Schönberg ca. 2¼–2½ Stunden beim Abstieg.
Zeitraum:
Mitte April–Oktober (je nach Schneelage)
Anforderungen:
Lange, daher anstrengende, aber technisch einfache Tour auf Almsteigen, Wegen und Forst-/Wirtschaftsstraßen; kurzes, steileres Wegstück beim Anstieg auf die Rossalm; etwas länger und technisch anspruchsvoller ist der Aufstieg auf das Schießeck von der Nordwestseite
Highlights:
Großflächige Almböden, prachtvolle Rundblicke und Ausblicke fast während der gesamten Rundtour bzw. auf den Gipfeln; die Kapelle der Gemeinde Lachtal; Oberwölz, die kleinste Stadt der Steiermark, und seine noch vorhandene Stadtmauer
Anfahrt:
Von der Bundesstraße B 96 (Verbindung Scheifling–Murau–Tamsweg) bei Niederwölz Richtung Oberwölz auf die B 75 abbiegen. Nach ca. 4,5 km zweigt rechts die Straße ins Lachtal ab. Nach etwa 7,5 km (kurz nach dem Gellsee) links auf die Bergstraße abbiegen und zu den Parkplätzen beim Hotel Lachtalhaus fahren; von der Bundesstraße B 114 (Verbindung Rothenthurm bei Judenburg–Trieben) bei Unterzeiring Richtung Oberzeiring auf die Landesstraße abbiegen. Nach etwa 11,0 km rechts auf die Bergstraße abbiegen und zu den Parkplätzen beim Hotel Lachtalhaus fahren.
Einkehr:
Brucker-Hütte (gleich am Beginn der Rundtour), Klosterneuburger Hütte, zahlreiche Einkehrmöglichkeiten im Lachtal


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