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Dürrenstein/Herrenalm/Leonhard Kreuz:
Auf der Ostseite des Dürrensteins
Abb. 1
Zwischen dem Ötscher im Norden und dem Hochschwab-Massiv im Süden liegt im Südwesten Niederösterreichs an der steirischen Landesgrenze der Dürrenstein (Abb. 1). Obwohl er gerne bestiegen wird, muss man nicht einmal an sonnigen Wochenendtagen einen Massenansturm von Bergwanderern befürchten. Das liegt einerseits daran, dass die Anreise aus den Ballungsräumen Wien, Graz und Linz zeitlich recht aufwendig ist und andererseits die Gipfelbesteigung nur für konditionsstarke Bergwanderer an einem Tag zu schaffen ist. So wird in den meisten Wanderführern die Tour von Lunz am See als Zweitagestour mit einer Gesamtgehzeit von ca. 9,0–10,0 Stunden, bei der über 1.300 Hm (Höhenmeter) zu bewältigen sind, mit Übernachtung auf der Ybbstaler Hütte (1.344 m) empfohlen. Wer den Dürrenstein trotzdem an einem Tag bezwingen will, für den gibt es eine Alternativroute durch das Taglesbachtal im Osten des Bergstocks. Aber auch dafür ist ein Zeitaufwand von 7½–8,0 Stunden für die Bewältigung von über 1.200 Hm einzuplanen. Dieser Route, die weniger häufig begangen wird als die von Lunz am See und die ihren Ausgangspunkt im Oistal am Ende des Taglesbachtals bei einem kleinen Parkplatz an der Bundesstraße B 71 etwa 2 km südlich von Langau hat, ist der nachfolgende Wandertipp gewidmet. Wem der Gipfelaufstieg aber auch von hier zu weit ist, der kann die Tour bei der Herrenalm bzw. beim darüber liegenden Leonhard Kreuz beenden. Dieser Aufstiegsweg ist auch Teil der vor wenigen Jahren neu geschaffenen Alpintour, welche die drei höchsten Gipfel der Ybbstaler Alpen – den Ötscher (1.893 m) im Osten über den Dürrenstein (1.878 m) mit dem Hochkar (1.808 m) im Westen – verbindet.

Vom Ausgangspunkt geht es durch einen Wald hinab zum Taglesbach und von dort an dessen rechtem Ufer Richtung Westen auf breitem Weg dem rechts liegenden, felsigen Scheiblingstein (1.622 m) und dem sich links davon befindlichen Bärenleiten Kogel (1.635 m, Abb. 2) entgegen. Kurz bevor sich das Tal nach Süden wendet, geht unser Weg bei einem kurzen, etwas steileren Anstieg in einen Steig über. Nach einem kurzen Abstieg folgen wir unserem abwechslungsreichen Weg stets am unteren Ende der steilen Hänge des Bärenleiten Kogels und anschließend des Hochreiser Kogels (1.484 m) für längere Zeit Richtung Süden. Leicht zu gehende Waldpassagen werden durch im Sommer oft recht verwachsenes, offenes Gelände abgelöst. Generell steigt der Steig nur gemächlich an und immer wieder gibt es auch kleinere Gegensteigungen. An einer Stelle, an welcher der Steig etwas abgebrochen ist, benötigt man etwas Geschicklichkeit. Nach der Querung eines meist trockenen Bachbettes läuft parallel zu unserem Steig eine Forststraße, die alternativ begangen werden kann. Nach wenigen Minuten mündet unser Steig in die nun etwas ansteigende Forststraße. Nach wenigen Minuten verlassen wir auf der rechten Seite die ab hier zum Tal hinunterführende Forststraße und queren ca. 10 Minuten auf einem schmalen, etwas abschüssigen Steig den Waldhang.

Nach ca. 75–90 Minuten vom Ausgangspunkt stoßen wir auf den steilen, aber stets breiten, oftmals steinigen und geröllreichen Aufstiegsweg (950 m), der zuerst Richtung Westen durch bzw. rechts etwas oberhalb des Herrenbachgrabens ca. 45–60 Minuten über 350 Hm zur Herrenalm hinaufführt. Wir zweigen rechts auf diesen Weg ab und müssen gleich ein ziemlich steiles Wegstück absolvieren. Dann helfen zwei Serpentinen beim weiteren Aufstieg. Nach einem längeren, weiterhin steil taleinwärts führenden Wegstück wird unser Aufstiegsweg plötzlich etwas ebener (ca. 1.130 m) und wendet sich halblinks zum Talschluss. Weiter geht es wieder viel steiler und anschließend nähern wir uns über eine weitere Serpentine nun Richtung Süden einer etwas felsigeren, steil abfallenden Region nahe einem Wasserfall (Abb. 3) des Herrenalmbaches, die aber auf unserem breiten, steinigen und steil aufwärts führenden Weg problemlos durchwandert wird. Bei einem Viehgatter stehen wir dann am Eingangstor zur Herrenalm, zu der wir nun im leichten Auf und Ab in 2–3 Minuten hinüberwandern (Abb. 4).

Die im Sommer (Juni–Mitte September) bewirtschaftete Herrenalm (1.327 m, Abb. 5) ist auch aufgrund der großen Gastfreundschaft der Pächter ein idealer Rastplatz. Man sollte seinen Blick aber auch auf das alte Almhaus richten, dessen Grundmauern noch aus dem Mittelalter stammen, als die Mönche des Kartäuserordens ausgehend von der nicht allzu weit entfernten Kartause Gaming die Almen der Region bewirtschaftet haben.

Wer nach rund 2,0–2½ Stunden Aufstiegsweg, in denen man mit Gegensteigungen rund 650 Hm bewältigt hat, noch nicht müde ist, kann nun in ca. 15 Minuten über einen markierten Almpfad teilweise recht steil zum bereits sichtbaren Leonhard Kreuz (1.406 m, Abb. 6) aufsteigen. Dieses wird im Volksmund gerne "Lehardikreuz" genannt. Hier trifft man dann auf die Wanderer, die von der Ostseite des Lunzersees über den Mittersee und den Obersee – am Schluss sehr steil – hierher aufgestiegen sind. Wer Lust hat, sollte links vom Leonhard Kreuz auf dem weiteren Aufstiegsweg auf den Dürrenstein noch etwa 10–15 Minuten leicht ansteigend über den breiten Almboden aufsteigen und am höchsten Punkt der Herrenalm ein paar Schritte zum uns rechts begleitenden Kamm (ca. 1.430 m) hinaufgehen. Von hier hat man den schönsten Blick (Abb. 7) zur Gipfelregion des Dürrensteins und zum links vorgelagerten Kleinen Dürrenstein (1.624 m).

Von der höchsten Stelle der Herrenalm bzw. vom rechts davon liegenden Bergkamm kann man nun weiter den Dürrenstein (noch ca. 1½–2,0 Stunden (Aufstieg) bzw. 1,0–1½ (Abstieg) und ca. zusätzliche 450 Hm) besteigen oder via Leonhard Kreuz zur Herrenalm zurückkehren. Ortskundige Wanderer können aber vom Kamm Richtung Süden geradeaus über die Almböden zum Waldrand absteigen und dort auf einem nicht markierten Steig nach links Richtung Osten zur Herrenalm wandern. Für die gesamte Runde Herrenalm–Leonhard Kreuz–Aussichtspunkt an der höchsten Stelle am Herrenalm-Kamm–Herrenalm mit zusätzlichen 100 Hm benötigt man kaum mehr als 45–50 Minuten, die sich aber auf alle Fälle lohnen.

Für den Abstieg zum Ausgangspunkt im Oistal geht es zurück zum Eingangstor der Herrenalm und dann den stets breiten, aber steilen, steinigen und an wenigen Stellen etwas felsigen (Trittsicherheit!) Weg durch den Herrenalmbachgraben hinab zur Weggabelung. Bei aller Vorsicht sollte man aber auch den schönen Blick zum Ötscher (Abb. 8) genießen! Nach rund 40–45 Minuten bei der Weggabelung angekommen, kann man nun entscheiden, ob man den links abbiegenden, teilweise schmalen und im Sommer verwachsenen Aufstiegsweg verwendet oder über eine Forststraße zum Ausgangspunkt zurückkehrt. Die Alternative über die Forststraße ist zeitlich kaum länger, aber mit Sicherheit bequemer als der Steig. Dazu steigt man auf dem breiten Weg noch knapp 5 Minuten zu der Stelle ab, an der dieser bei einer Hütte auf die Forststraße trifft. Diese führt nun abwärts zu einer Brücke über den Herrenalmbach und nach einer kurzen Gegensteigung Richtung Norden (Abb. 9) talauswärts. Nach der Querung des Taglesbaches geht es nochmals kurz hinauf und dann bequem absteigend weiter. Nach einer Stelle, wo man tief hinunter in eine Art Felsenklamm im Taglesbachgraben (Abb. 10) blicken kann, führt die Forststraße plötzlich steiler abwärts, wendet sich nach rechts Richtung Osten und führt uns – nun recht steil – zurück zur Bundesstraße B 71 ins Oistal. Auf dieser halten wir uns links, überschreiten die Brücke über den Taglesbach und stehen nach insgesamt 100 m vor dem kleinen Parkplatz, welcher der Ausgangspunkt für unsere Tour im Ostbereich des Dürrensteins war. Für den gesamten Abstieg von der Herrenalm ins Oistal benötigt man etwa 1¾–2,0 Stunden.

An sonnigen, heißen Sommertagen sollte man nach der Wanderung unbedingt ein Bad im nicht sehr weit entfernten, erfrischenden Lunzersee (Abb. 11) genießen. Etwas weiter entfernt liegt auf der steirischen Seite des Dürrensteins im Süden der Rothwald, der größte Urwaldrest Mitteleuropas und ein strenges Naturreservat. Dort werden von speziell ausgebildeten Rangern geführte Touren durch das Urwaldgebiet angeboten.
HM/Zeit:
vom Parkplatz im Oistal am Ende des Taglesbach-Grabens zur Herrenalm mit vielen, kürzeren Gegensteigungen bei Auf- bzw. Abstieg ca. 700 Hm in etwa 2,0–2½ Stunden (Aufstieg) und ca. 1¾–2,0 Stunden (Abstieg); Runde Herrenalm–Leonhard Kreuz–Aussichtspunkt am Herrenalm-Kamm–Herrenalm zusätzliche 100 Hm in ca. 45–50 Minuten; Aufstieg von der Herrenalm auf den Dürrenstein zusätzliche ca. 550 Hm in ca. 2¼–2½ Stunden (Aufstieg) bzw. 1¼–1½ Stunden (Abstieg).
Zeitraum:
Mitte April–Mitte November auf die Herrenalm bzw. Mitte Mai–Oktober auf den Dürrenstein (je nach Schneelage)
Anforderungen:
Auf die Herrenalm nicht allzu lange, technisch einfache Tour; beim steilen Abstieg durch den Herrenalmgraben ist Trittsicherheit notwendig. Die gesamte Tour auf den Dürrenstein ist sehr lang und anstrengend, im Gipfelbereich sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit notwendig.
Highlights:
vom Kamm oberhalb des Leonhard Kreuzes schöner Dürrenstein-Blick, Blick zum Ötscher; altes Gebäude und die Almböden der Herrenalm; vom Dürrenstein großartiger Rundblick; ein erfrischendes Bad im Lunzersee; geführte Tour im Urwald, dem Rothwald
Anfahrt:
Auf der Bundesstraße B 25 (Verbindung von Ybbs an der Donau an der Westautobahn A 1 im Norden bis zur B 115 nahe Hieflau im Süden) bis zur Abzweigung der B 71 zwischen Gaming und Lunz am See. Auf der B 71 durch das Oistal in Richtung Mariazell ca. 10 km (2 km südlich von Langau) bis zum kleinen Parkplatz am Ende des Taglesbachgrabens. Von Mariazell kommend sind es auf der B 71 über den Zellerrain ca. 24 km bis zum kleinen Parkplatz am Ende des Taglesbachgrabens.
Einkehr:
Herrenalm (im Sommer bewirtschaftet); GH in Lunz am See


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