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Kalkstein/Baumooskogel:
Prächtiger Rundblick auf Kitzbüheler Horn, Wilden Kaiser & Co.
Abb. 1
Es gibt in der Region um den bekannten Wintersportort Kitzbühel kaum einen Berg, der nicht mit unzähligen Standseilbahnen, Seilbahnen, Sesselliften und Schleppliften "zugepflastert" ist. Was Schifahrer im Winter freut, ist für Bergwanderer im Sommer oft ein Ärgernis, da diese Lifte oftmals den Ausblick "verschandeln" und viele in der warmen Jahreszeit gar nicht in Betrieb sind. Eine positive Ausnahme ist der Kalkstein/Baumooskogel (1.506 m, Abb. 1), der nordöstlich des Verkehrsknotenpunktes St. Johann in Tirol liegt. Unterschiedliche Bezeichnungen auf Plänen und auch Wegweisern sorgen manchmal für etwas Verwirrung. Die Nachfrage bei der einheimischen Bevölkerung hat ergeben, dass die Bezeichnung "Kalkstein" üblicherweise für den gesamten Bergstock und der Name "Baumooskogel" für die aus dem Wald ragende, kleine Graskuppe und höchste Erhebung verwendet wird, die für ihren prächtigen Rundblick auf die umliegende Bergwelt viel zu wenig bekannt ist.

Der Ausgangspunkt dieses Wandertipps liegt beim kleinen Parkplatz Haberberg (ca. 825 m) unweit der Jausenstation Stockerhof, den man über eine schmale Bergstraße zuerst über Ortsgebiet, dann durch einen Wald und am Ende über ausgedehnte Wiesen (Abb. 2) von der Bundesstraße B 178 im Ortsgebiet von Kirchdorf in Tirol erreicht. Gleich neben dem Parkplatz ist eine Weggabelung, bei der man links auf einer asphaltierten Straße über offenes Gelände zu den Gebäuden des Hacherhofs aufsteigt, die man nach wenigen Minuten erreicht. Hier endet die Straße und geht in einen breiten Weg über, der uns in nicht einmal 5 Minuten mit einer Serpentine und bereits schönen Ausblicken zum Wilden Kaiser im Osten und dem Kitzbüheler Horn im Süden (Abb. 3) zum oberen Ende des Wiesengebietes führt. Wir halten uns bei dem hier querenden Weg links und wandern auf kaum ansteigendem Weg nun im Wald zum Hachergraben. Nach der Querung des meist trockenen Bachbettes über eine Brücke geht es kurze Zeit im Graben etwas steiler aufwärts, bis man auf eine Forststraße trifft. Unser stets breiter Weg führt geradeaus – ein weiteres, meist trockenes Bachbett muss gequert werden – gemütlich aufwärts zum unteren Ende der Obingalm. Auf dieser geht es nun noch rund 10 Minuten leicht ansteigend weiter, dann macht unser Wiesenpfad eine Linkswendung und führt knapp 50 Hm (Höhenmeter) steil hinauf zu einem Wirtschaftsweg. In diesen biegen wir links ein und marschieren – zuerst ist es steil, dann angenehm ansteigend – zur leider nicht mehr bewirtschafteten Obingalm (1.155 m), von der man nach rund 60 Minuten Wanderzeit vom Ausgangspunkt einen sehr schönen Blick zur Ostseite des Wilden Kaisers (Abb. 4) genießen kann.

Hier beginnt nun der gemütliche Teil unserer Tour. Leider sind auch alle anderen am Weg liegenden Almen nicht oder derzeit nicht bewirtschaftet. Daher ist es wichtig, genügend Verpflegung und vor allem Getränke auf die lange Rundwanderung mitzunehmen! Es geht nun nur leicht ansteigend zur rund 50 Hm oberhalb der Obingalm liegenden Heisenalm: Entweder "wild" über die Almböden oder ein kleines Stück weiter am sandigen und breiten Wirtschaftsweg bis zu einer Weggabelung, bei der man sich rechts hält, um dann weiter auf dem Wirtschaftsweg in Richtung Adlerspoint (Richtung Osten) zu marschieren. Von der Heisenalm geht es nun – immer auf dem nicht allzu steilen Wirtschaftsweg bleibend – über Almböden weiter aufwärts. Nachdem man ein kleineres Waldstück durchwandert hat, marschiert man eine längere Zeit lang mit schönem Blick Richtung Norden (Abb. 5) zum Fellhorn (1.765 m) und östlich davon zur abgeflachten Steinplatte (1.869 m) neben einem Wiesenkamm. Auf dessen höchstem Punkt (ca. 1.380 m) steht ein kleines, schon längere Zeit gut sichtbares Kreuz. Für die Wegstrecke von der unbewirtschafteten Obingalm zur links vom Kreuz liegenden Wegkreuzung benötigt man etwa 45–50 Minuten.

Hier verlassen wir den gerade benutzten Wirtschaftsweg, der weiter zum Gasthof Adlerspoint führt – für einen zusätzlichen Abstecher zu diesem Gasthaus muss man hin und retour etwa 60-75 Minuten einplanen –, zweigen rechts ab und steigen wieder auf einem Wirtschaftsweg in ca. 15–20 Minuten zuerst zur Bruggwirtsalm (1.356 m) und von dort weiter zu einem Sattel (ca. 1.337 m) oberhalb der Leitneralm ab. Hier stößt der direkte, sehr einfach zu gehende Aufstiegsweg vom Stockerhof zu der von uns gewählten Variante. Wir halten uns links und steigen – die höchste Erhebung des Kalksteins bereits vor Augen (Abb. 6) – zur Baumoosalm (bzw. Kalksteinalm, unterschiedliche Benennungen!) auf, wo – nun endlich – der breite Wirtschaftsweg endet. Unser hier beginnender Steig, der Richtung St. Johann in Tirol geht, führt uns halbrechts zu einem Waldstück. Schon bald kommen wir zu einer Abzweigung, bei der wir uns rechts halten und auf einem zwar markierten, aber teilweise sehr schmalen, steinigen und recht steilen Steig (Trittsicherheit!) in ca. 15–20 Minuten knapp 100 Hm zum Baumooskogel aufsteigen. Für den gesamten, beschriebenen Aufstieg, bei dem mit der Gegensteigung bei der Bruggwirtsalm rund 720 Hm zu bewältigen sind, benötigt man ca. 2½–3,0 Stunden.

Da die höchste, kuppenförmige Erhebung des Kalksteins bereits oberhalb der Baumgrenze liegt, bietet sich vom kleinen Gipfelkreuz am Baumooskogel (Abb. 7) ein wunderbarer Rundblick auf die benachbarten Berge wie das Kitzbüheler Horn und die weiteren Gipfel der Kitzbüheler Alpen (Süden), den Wilden Kaiser (Westen) und die Steinplatte (Norden). Besonders beeindruckend ist die Aussicht über die ausgedehnten Almböden des Kalksteins zu den Loferer Steinbergen im Nordosten (Abb. 8) und zu den Leoganger Steinbergen im Osten. Bei guter Sicht sind auch die schneebedeckten Gipfel der Hohen Tauern im Süden und die Chiemgauer Alpen im Norden zu bewundern.

Nach ausgiebiger Rast geht es am besten – aber sehr vorsichtig – auf dem Aufstiegsweg in 10–15 Minuten steil hinunter zur letzten Abzweigung. Hier hat man nun die Wahl, ob man sich links hält und schnell und einfach vorbei an der Baumoosalm und der Leitneralm in ca. 60–75 Minuten zum Ausgangspunkt zurückkehrt oder ob man – sich rechts haltend – über eine längere und auch anspruchsvollere Variante zum Stockerhof wandert. Wer sich dafür entscheidet, muss ein paar Hm aufsteigen und dann halbrechts zuerst eben und dann steiler abwärts zu einem Viehzaun wandern. Hier treffen wir auf einen einfacheren, aber leider nicht markierten Abstiegssteig vom Gipfel, den daher nur Ortskundige benutzen sollten. In weiterer Folge geht es nun abwechselnd durch Waldgebiet bzw. offenes Gelände zum Teil recht steil abwärts. Wir gehen an einem Viehunterstand und an einer Quelle vorbei und nach rund 60–75 Minuten vom Gipfel erreichen wir eine querende Forststraße. Wir halten uns rechts und wandern auf dieser Richtung Westen in Serpentinen abwärts. Besonders beeindruckend ist dabei der Blick hinauf auf die imposante Rote Wand (Abb. 9).

Nach ca. 20 Minuten verlassen wir die Forststraße wieder und zweigen rechts auf einen Steig ab, der uns durch ein kurzes Waldstück in 5–10 Minuten zu den Häusern von Scheffau, von denen man wieder die Aussicht zum Wilden Kaiser (Abb. 10) genießen kann, führt. Bei der nun folgenden Abzweigung halten wir uns wieder rechts und wandern auf breitem Sandweg Richtung Norden weiter, wobei eine ca. 30-35 Hm-Gegensteigung zu bewältigen ist. Weiter geht es dann halblinks auf einer Forststraße kontinuierlich abwärts zu den Häusern in Aiglsau und Gucks. Von dort wandert man auf der jetzt wieder asphaltierten Straße zuerst zur Abzweigung zum alternativen Auf- bzw. Abstiegsweg über die Leitneralm und dann zur Abzweigung zur bereits sichtbaren Jausenstation Stockerhof (ca. 800 m, Abb. 11). Es ist zwar ein kurzer Umweg (hin und retour nicht einmal 10 Minuten) mit einer kurzen Gegensteigung, aber er lohnt sich, schon alleine wegen der schönen Aussicht zum Wilden Kaiser. Richtung Osten hat man nochmals einen Blick auf die bewaldete Seite des Kalksteins (Abb. 12). Von der Abzweigung zum Stockerhof sind es wenige Schritte über eine Brücke zum Parkplatz Haberberg, den man bei dieser Abstiegsvariante nach ca. 2¼–2½ Stunden mit ein paar zusätzlichen Gegensteigungen erreicht.
HM/Zeit:
vom Parkplatz Haberberg über die Obingalm und die Bruckwirtsalm auf den Baumooskogel mit allen Gegensteigungen beim Auf- bzw. Abstieg ca. 800 Hm in rund 2½–3,0 Stunden (Aufstieg) bzw. über Scheffau in ca. 2¼–2½ Stunden (Abstieg); über die Leitneralm ca. 710 Hm (inkl. Stockerhof) in ca. 2,0–2¼ Stunden (Aufstieg) bzw. 75–90 Minuten (Abstieg)
Zeitraum:
April–November
Anforderungen:
Größtenteils technisch einfache Tour auf Wirtschaftswegen, Forststraßen, breiten Wegen und Steigen sowie Wiesenpfaden. Auf- bzw. Abstieg vom Baumooskogel schmal, sehr steil und steinig (Trittsicherheit), teilweise steile, steinige Wegteile auch beim Abstieg vom Baumooskogel in Richtung Scheffau. Die gesamte Rundtour über Obingalm, Baumooskogel und Scheffau ist recht lang und daher auch anstrengend; Auf- bzw. Abstieg über Leitneralm einfach und nicht allzu lang (familienfreundlich!)
Highlights:
Toller Rundblick vom Baumooskogel! Schöne Ausblicke auch unterwegs, Wanderung über ausgedehnte Almböden, Blick zur Roten Wand
Anfahrt:
Auf der Bundesstraße B 178 (St. Johann in Tirol - Lofer) in Kirchdorf in Tirol beim Gasthaus Habach - rechts von St. Johann bzw. links von Lofer kommend - abzweigen. Nach ca. 50 m links auf die schmale Bergstraße abzweigen und zuerst über Ortsgebiet, dann durch einen Wald und am Ende über ausgedehnte Wiesen ca. 2,0 km zum kleinen Parkplatz Haberberg unweit der Jausenstation Stockerhof fahren.
Einkehr:
Jausenstation Stockerhof, Adlerspoint (mit Umweg), unterwegs sonst keine Einkehrmöglichkeit


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